Heft 
(1924) 33
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Die Verbreitung vorgeschichtlicher Kenntnisse durch die vorgeschichtliche Abteilung des Märkischen Museums

1908-1924.

Von Dr. ALBERT KIEKEBUSCH,

Direktor der vorgeschichtlichen Abteilung des Märkischen Museums.

Vo

om ersten Tage ab, an dem mir die Leitung der vorgeschichtlichen Abteilung des Märkischen Museums übertragen wurde, war es mir klar, daß zu den vornehmsten Aufgaben dieser Abteilung wie aller der­artiger Sammlungen die Verbreitung vorgeschichtlicher Kenntnisse gehörte. Ich empfand es als einen unwürdigen Zustand, wenn nicht als eine Schmach für unser ganzes Bildungswesen, daß jeder Deutsche in seinen Bildungsanstalten von allem Möglichen etwas zu hören bekam, nur nichts von seiner eigenen Urzeit, daß selbst Hochgebildete, die mit Aegypten, Troja und Mykene gut Bescheid wußten, an Burgwällen und Hünengräbern der Heimat gedankenlos vorübergingen oder doch nur eine recht unklare Vorstellung von diesen Zeugen unserer Ur­väterkultur hatten. Die Unkenntnis auf diesem Gebiete war in des Wortes ureigenster Bedeutung bodenlos". Selbst die einfachsten Grund­lagen mußten erst geschaffen werden. Auch den Mitgliedern der über­all eifrig arbeitenden Altertumsgesellschaften fehlte fast ausnahmslos die klare Anschauung, weil in den Sitzungen allenfalls über Einzeler­scheinungen gesprochen wurde, von einer planmäßigen Einführung aber gar nicht die Rede sein konnte. So blieben auch die großen Errungen­schaften der nordischen Forscher, etwa die Erfolge von Oscar Montelius anf dem Gebiete der Chronologie, selbst der großen Gemeinde der Alter­tumsfreunde verschlossen. Nur ein ganz kleiner Kreis von Gelehrten zog aus dieser neuen, bahnbrechenden Erkenntnis Gewinn. Ja, viele von denen, die bisher treu mitgearbeitet hatten, mußten ihre Bemühungen aufgeben, da sie wegen mangelnder Vorkenntnisse und ebenso man­gelnder Bildungsmöglichkeit den Anforderungen der jungen, auf­strebenden Wissenschaft nicht mehr gewachsen waren. Mitte des ersten Jahrzehnts besaß aber wenigstens soll ihr in der Geschichte der Vorgeschichtswissenschaft nicht ver­die Universität Berlin einen Lehrstuhl für Vor­gessen werden geschichte. Meiner Auffassung nach waren aber auch die Museen als Volksbildungsanstalten im besten Sinne des Wortes ganz besonders da­zu berufen, für die Verbreitung der wissenschaftlichen Erkenntnis zu sorgen, die jeden Deutschen über das erste Auftreten seiner Urväter in der Geschichte hinausführt und ihm die heimatliche Urkultur fernster Jahrtausende erschließt. Wegen der damals noch üblichen geringen Einschätzung der Vorgeschichtswissenschaft in akademischen Kreisen brauchte uns nicht bange zu sein, beruhte sie doch teils eben auch auf Unkenntnis und teilweise auf Fehlern, die seitens einiger Vorge­schichtsforscher oder der vorgeschichtlichen Museen gemacht worden waren. Die Sucht nach uferlosen Hypothesen, die unseligen Zwistig­keiten im eigenen Lager und die völlig veraltete Aufstellung der

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