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heimischen Altertümer in den Museen konnten schwerlich in kurzer Zeit das alte Mißtrauen beseitigen. Schließlich aber mußte die trotz allem an vielen Stellen geleistete tüchtige Arbeit anerkannt und durch neue Anstrengungen jede Schwierigkeit überwunden werden. Noch kurz vor der Wende des Jahrzehnts brach sich die Vorgeschichtswissenschaft durch Schaffung neuer Organisationen und Gründung neuer Zeitschriften( Prähistorische Zeitschrift, Mannus 1909) freie Bahn, und überall regte sich neues Leben. Die vorgeschichtliche Abteilung des Märkischen Museums konnte und wollte nicht untätig bleiben, und sie fand ihren eigenen Weg.
Reife, erwachsene und in der Reife begriffene, heranwachsende Volksgenossen mußten eine zielbewußte Arbeit ins Auge fassen. Für die letzteren ging der einzige, Erfolg versprechende Weg über die Schule. Der bisher so überaus dürftige heimatkundliche Unterricht mußte durch die heimische Vorgeschichte befruchtet werden. An die Erwachsenen aller Berufsstände war nur heranzukommen durch Vortragsreihen, Museumsführungen und Studienfahrten zu vorgeschichtlichen Fundplätzen.
1. Vortragsreihen.
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Im 1. Vierteljahr( Januar bis März) 1910 kündigte ich im Rahmen der„ Freien Hochschule", die bald nach Beginn des Krieges mit dereinstigen Humboldt- Akademie" zur Humboldt- Hochschule" verschmolzen wurde, Vorlesungen über die„ Urgeschichte der Mark Brandenburg" an. Die Hörerzahl betrug 96. Sie stieg in demselben Jahre noch auf 126 und im nächsten sogar auf 164. Von da ab bis zum zweiten Kriegsjahre schwankte sie zwischen 80 und 150. Im Frühjahr 1916 erreichte sie den niedrigsten Stand von 52, um aber noch in dem schlimmen Kriegssommer desselben Jahres auf 82, im Herbst auf 94 und im„ Kohlrübenwinter" 1917( 1. Vierteljahr) auf 120 emporzuschnellen. Durch meinen Eintritt ins Heer wurde dieser Tätigkeit zunächst ein Ende gesetzt. In 17 Vortragsreihen habe ich zweimal die„ Urgeschichte der Mark" behandelt( 1910 und 1913) und einmal eine Uebersicht über Deutschlands Vor- und Frühgeschichte" gegeben( 1915). In zwei aufeinanderfolgenden Lehrgängen wurde( 1910/11) die„ Urgeschichte Europas" in übersichtlicher, kurzer Darstellung vorgetragen. Mit der engeren Heimat beschäftigten sich„ Die Besiedlung des Spreetals in vorgeschichtlicher Zeit und die Gründung Berlins",„ Berlin und Umgebung im 12. und 13. Jahrhundert"( 1916) und die„ Ausgrabungen des Märkischen Museums 1910-1914". Bei dem lebhaften Interesse und dem regen Eifer der Hörer konnte schließlich die„ Urgeschichte Europas mit besonderer Berücksichtigung der heimischen Vorzeit" in je vier aufeinanderfolgenden Vortragsreihen( I. Steinzeit, II. Bronzezeit, III. Hallstatt- und Latènekultur, IV. Germanen) 1911 bis 1913 und 1915 bis 1917 so gründlich erörtert werden, daß die Hörer in die Tiefen der Wissenschaft einzudringen vermochten. Kreta, Troja, Mykene, Tiryns und Olympia sind dabei ebenso eingehend behandelt worden wie die Fundstätten Italiens, Spaniens, Frankreichs und Skandinaviens. Ueber„ Römische Kultur am Rhein und an der Donau" habe ich besonders gelesen, und so erhielten die Hörer durch weite Ausblicke erst das richtige Verständnis für die Bedeutung der Altertümer des Märkischen Museums, die stets im Mittelpunkt der Betrachtung standen und in zahlreichen Führungen immer