Heft 
(1924) 33
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machen und die Fähigkeit zu erlangen, sich an eine größere wissen­schaftliche Arbeit zu wagen. Wer Vorgeschichte als seinen künftigen Lebensberuf betrachtet, hat natürlich auch alle anderen in der Reichs­hauptstadt gegebenen Bildungsmöglichkeiten auszuschöpfen, schon um möglichst allseitig vorgebildet zu sein.

Die Wege, auf denen unsere Ziele erreicht werden, sind sehr mannigfaltige. Im Mittelpunkte stehen die regelmäßigen Sitzungen mit ihren Bestimmungsübungen und Referaten. Ebenso wichtig sind jedoch die Studienfahrten ins Gelände zum Aufsuchen neuer oder zur Bestimmung alter Fundstätten. Die in Gruppen geteilten Teilnehmer suchen die vorher bezeichneten Plätze unter Führung des Leiters oder eines kundigen Führers ab. So fanden wir in 2 Tagen schon 1916 [ Brandenburgia XXIV, 1916, S. 75, Zeitschrift f. Ethnologie XX] etwa 20 neue Fundstätten. Altumstrittene Fragen werden bei solcher Streife gelöst. Das beste Beispiel hierfür ist die Beurteilung der altbe­kannten, Feuersteinschlagstätte" bei Schmöckwitz im Kreis Teltow, jetzt zu Berlin gehörig. 1909 war sie der mikrolithischen Kultur zugeschrieben worden. Ich bezweifelte[ Vorgeschichte der Mark Brandenburg, S. 383] die Berechtigung dieser zu eng umgrenzten Zuweisung. Später fand Dr. Hohmann merkwürdigerweise immer nur Feuersteinkleingeräte auf der Stelle. Im Februar 1923 besuchten wir beide gemeinsam den Platz mit dem Seminar. Vor dem. Betreten der Fundstätte legte ich den Hörern dar, um welches Problem es sich handelte. In kürzester Zeit fanden wir 2 Pickel und 1 Spalter. Die Frage war gelöst. Die Fund­stelle förderte also nicht nur mikrolithische Geräte zutage; mindestens war sie auch noch während der Litorinazeit besiedelt, aber auch noch jüngere Spuren machten sich bemerkbar. Die weiteren Nachforschungen hat Dr. Hohmann übernommen. Was er Neues gefunden, wird er selber bald mitteilen können.

Neben den Funden des Märkischen Museums werden auch die anderer Sammlungen studiert. So waren wir früher in Müncheberg, im vergangenen Jahre in Neuruppin( Zietenmuseum), in Wittenberge, Fürstenwalde und Königsberg( Neumark).

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Ganz besonders fördernd sind aber unsere auf S. 56 geschilderten größeren Studienfahrten gewesen. In all den genannten Städten haben wir zumeist unter Führung der heimischen Museumsleiter die Sammlungen eingehend besichtigt und dann noch jeder für sich studiert. So prägen sich die Einzelheiten der Kulturen der ver­schiedenen Landschaften am besten ein, und der Blick wird durch Vergleich der Fundgruppen geschärft. Aufstellung und Anordnung sind überall verschieden und fordern selbständige Beurteilung und Kritik ganz von selber heraus. Jeder lernt aber auch bei dem un­verkennbaren Aufschwung der deutschen Museen, auf wie verschiedene Der Gewinn dieser Studien­Weise Großes geleistet werden kann. fahrten ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Ich muß immer an Amos Comenius denken, der als Schlußstein höchster Ausbildung an die Universität das Reisen" schloß. Besuche hervorragender Stätten werden diesen Museumsreisen angeschlossen wie Landskrone bei Görlitz, Altenburg bei Niedenstein, Teutoburger Wald, Jdistaviso und Steinhuder Meer, wo die Schlachtfelder des Arminius aus seinen Kämpfen mit Varus und Germanicus gesucht werden.

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Die letzte Ausbildung erhalten die Teilnehmer auf dem Aus­grabungsplatze, wo sie zuerst die einfachsten Hilfsdienste zu leisten