Heft 
(1924) 33
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Uebungen. Bei der großen Bedeutung der Siedlungsforschung, die nun einmal berufen ist, eine klaffende Lücke in der Vorgeschichts­forschung auszufüllen, ist der Ausgangspunkt auch später niemals außer Acht gelassen worden. Das wäre schon ganz unmöglich gewesen, weil auch die weiteren wissenschaftlichen Arbeiten des Märkischen Museums die Siedlungsforschung in den Mittelpunkt stellten.

Mit voller Absicht aber wurde Einseitigkeit auch nach dieser Richtung hin vermieden. Das mußte und konnte schon geschehen, weil die Seminararbeit ja gleichzeitig im Dienste der Heimatkunde stand und somit stets Rücksicht nehmen wollte und mußte auf alles, Ziel war was nur irgend zu diesem umfassenden Gebiete gehört. also stets die gründliche Bearbeitung der Vorgeschichte im weiten Rahmen der Heimatkunde.

3. Teilnehmerkreis. Schon die Tatsache, daß eine ganze Reihe der Teilnehmer aus den für die Lehrkräfte aller Schulen veranstalteten Kursen ,, zur Einführung in die heimische Altertumskunde" kam, erklärt zur Genüge, daß Lehrer, Lehrerinnen( auch Rektoren) und Studienräte( auch Direktoren) stets mehr als die Hälfte der Teilnehmer stellten. So war das Niveau schon ein recht ansehnliches und wurde noch mehr dadurch gehoben, daß fast ausnahmslos nicht schwache oder mittel­mäßige Kräfte sich weiterer Ausbildung widmen, sondern die besten. Die Zusammenarbeit akademisch und nicht akademisch vorgebildeter Lehrkräfte bewährte sich hier in überaus glänzender Weise. Niemals kamen Unstimmigkeiten vor. Die gemeinsame Tätigkeit und der Gedanke, für die Wissenschaft und zugleich für die Schul zu arbeiten, ließ kein Mißbehagen Wurzel schlagen. Aber auch Mitglieder freier Berufe und sogar Kaufleute taten ihre volle Schuldigkeit, wobei auch nicht vergessen werden darf, daß aus diesen Berufen erst recht nur ganz besonders tüchtige Kräfte eine derartige Fortbildung erstreben.

Recht erfreulich war und ist auch die rege Teilnahme von Studenten, die das Hochschulstudium durch die Arbeit im Museum ergänzen. Naturgemäß ist der Kreis der jungen Vorgeschichtsbeflissenen nicht groß. Zeitweise waren- namentlich in den letzten Semestern sämtliche Hörer, die in Berlin Vorgeschichte als Lebensberuf wählen. wollten, auch Mitglieder des Seminars.

4. Die Methode. Jeder Abend beginnt mit Bestimmungs­übungen. Das neu eingelieferte oder bei Ausgrabungen gewonnene Material gibt immer neue Gelegenheit, Funde zu bestimmen, die bisher allen unbekannt waren. Auch auf alte Bestände des Museums wird zurückgegriffen. Zuerst werden zum Zwecke der Uebung die Merk­male der einzelnen Typen gemeinsam besprochen. Dann aber schließen sich um den Grad der erlangten Kenntnisse festzustellen und die Freude an der eigenen Sicherheit zu erhöhen- Prüfungs­aufgaben an. Einige Fundstücke werden gezeigt und müssen von jedem schriftlich kurz bestimmt werden. Es ist erstaunlich, zu welcher Sicherheit hierdurch die Teilnehmer in kurzer Zeit kommen.

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An die Bestimmungsübungen werden kleinere Berichte über literarische Neuerscheinungen oder über wichtige Funde der letzten Zeit angeschlossen. Größere Uebungsarbeiten über Fundgruppen, Kulturen und Kulturkreise, über äußere und innere Zusammenhänge, chronologische und typologische Probleme geben den Vorgeschrittenen Gelegenheit, sich mit jedem Rüstzeug der Wissenschaft vertraut zu