Heft 
(1924) 33
Seite
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Eine jungsteinzeitliche Siedlung in Waltersdorf, Kr. Teltom.

Walt

Von Dr. KARL HOHMANN, Eichwalde.

altersdorf mit seinen

schmucken Bauernhöfen und seiner schönen romanischen Feldsteinkirche verdankt der ersten deutschen Besiedlung des Teltow im 13. Jahrhundert sein Entstehen. Das Dorf zieht sich in hauptsächlich ost- westlicher Ausdehnung den Hang der diluvialen Erhebung hinauf, die aus dem Wiesengelände eines kleinen Seitentales der Dahme von Schulzendorf her nach Westen hin bis zum Marienberge ansteigt. Die Lage der Gehöfte und damit die Gestalt des Dorfes ist bedingt durch die beiden sich hier kreuzenden Straßen, die alte Heerstraße von Wendisch- oder Königswusterhausen über Rixdorf( jetzt Neukölln) nach Berlin und die aus dem Dahmetal über Schulzendorf auf den Teltow heraufführende Straße; unmittelbar am Straßenkreuz erhebt sich die alte, stattliche Wehrkirche.

Schon früher sind in und um Waltersdorf herum vorgeschicht­liche Spuren beobachtet worden. Eine germanische Siedlung der römischen Kaiserzeit aus dem 1./2. Jahrhundert n. Chr. hat östlich und südöstlich des südlichen Dorfteiles weiter abwärts nach den Wiesen zu am Hange gelegen. Von den Grundstücken der Besitzer Damm und Wanslick sind Scherbenfunde mit dem charakteristischen Mäander­muster in Rädchentechnik bekannt geworden, einer Verzierungsweise, die für die sogenannten Elbgermanen der damaligen Zeit bezeichnend ist.') Auch geringe Reste aus der Bronzezeit nach Aussage des Besitzers Wanslick z. B. ein Zwillingsgefäß in Lausitzer Form- sind gefunden worden, aber verloren.) Noch weiter zurück in die Stein­zeit, also rund in das 5./3. Jahrtausend v. Chr., weist ein Scherbenfund von Waltersdorf, der von Voß schon vor mehr als 30 Jahren 3) zum Gegenstand der Besprechung gemacht wurde wegen der in ihm vor­kommenden eigenartigen nach oben gerichteten horn- oder nasen­förmigen Henkelzäpfchen mit wagerechter ösenförmiger Durchbohrung und wegen des von Voß sogenannten Lochornaments an einzelnen Randstücken. Ein kleines durchlochtes Felsgesteinbeil 6, cm lang, an der Schneide 31, cm nnd am Nacken 22 cm hoch, vor Jahren schon gefunden, konnte durch des Verfassers Vermittlung vor kurzem Diese steinzeitlichen dem Märkischen Museum übergeben werden. Fundstücke sind nun neuerdings glücklich ergänzt worden durch einen Fund, der im März des Jahres 1922 auf dem Hofgrundstück des schon erwähnten Besitzers Wanslick gehoben wurde und von diesem

1) Die Funde liegen im Märkischen Museum. Inv. II, 25614 ff. Dazu ge­hören auch Spinnwirtel und ein Bronzegriff. Ein mit Punktstichen verzierter Spinnwirtel von dort vielleicht steinzeitlich liegt in der Sammlung Schwan, Eichwalde.

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2) Das Fragment eines Bronzezierstücks von W. erwähnt Weigel, Amtl. Ber. 11, LXXV.

3) Verhandlungen d. Ges. f. Anthr. 1891( 71) ff. Staatsmuseum Inv. I, 4084.