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in entgegenkommendster Weise sofort dem Märkischen Museum und dem Verfasser gemeldet wurde. Die geborgenen Gegenstände sind dem Märkischen Museum überwiesen.')
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Gelegentlich der Ausschachtungsarbeiten für einen Scheunenneubau stießen der Besitzer Wanslick und sein Sohn beides für Vorgeschichte und heimatkundliche Dinge recht erfreulich interessierte Leute nach Durchstoẞung der Humusschicht im fetten Lehm³) auf schwarze Stellen mit Brandasche, Knochen und zahlreichen Tonscherben. Da die Finder die Wichtigkeit der geborgenen Gegenstände erkannten, wurden die betreffenden Stellen bei der fortschreitenden Arbeit möglichst geschont, bis am Tage darauf durch den Direktor der vorgeschichtlichen Abteilung des Märkischen Museums Herrn Dr. Kiekebusch und den Verfasser die nähere Untersuchung vorgenommen werden konnte.
In der rechteckigen, 6 X 8.25 m großen Baugrube wurden drei dunkle Stellen beobachtet, östlich eine umfangreichere von länglich ovaler Form( A) und westlich zwei kleinere eng zusammenliegende von rundlicher Form( B und C). Auf den Nachbargrundstücken ist bei Ausschachtungsarbeiten und bei Anlage von Kartoffelmieten bisher niemals Aehnliches bemerkt worden.
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Die Stelle A, die durch die Ausschachtungsarbeiten nur angeschnitten wurde eine vollständige Bloßlegung verbot die Rücksicht auf die Festigkeit der Baugrubenwand), hat die wichtigsten Funde geliefert. Es handelt sich mangels jeglicher Herdsetzung offensichtlich um eine große Abfallgrube, die in einer Dicke von 150-180 cm ganz mit speckig schwarzer Branderde angefüllt war. Die geschwärzte Erde begann ca. 40 cm unter Niveau und reichte z. T. bis in 2,20 m Tiefe. Etwa 70 cm unter der Oberfläche lag eine Masse von Scherben, darunter viele stich- und schnittverzierte, und eine Fülle von Tierknochen. Die Untersuchung der Knochen durch den Direktor der naturwissenschaftlichen Abteilung des Märkischen Museums Herrn Dr. Hilzheimer ergab einen Wirbel vom Ur( Abb. 1)), Hauer vom Wildschwein( Abb. 2), Hirschzinken, Reh- und Hausrindknochen, also Ueberreste vornehmlich von Jagdtieren. Ziemlich tief in der Grube lagen die eigentlichen Geräte eingebettet: aus Knochen ein unverziertes Fischschuppmesser bisweilen auch als Fellöser oder nach modernen Begriffen als Falzbein angesprochen( Abb. 3) 8) und ein Pfriem( Abb. 4), aus Feuerstein ein Nukleus, primitive Messerchen und Bruckstücke von solchen( Abb. 5), ein Bohrer, zwei Rundschaber davon einer mit steiler, hoher Arbeitskante, eine Klinge mit Hohlschaberkerbung und zwei rohe Spitzen. Die Knochenwerkzeuge verdanken ihre gute Erhaltung der konservierenden Wirkung der Branderde.
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4) Inv. II, 25760. Die Abbildungen siehe S. 79 und 80.
5) In unseren Gegenden pflegen sonst Siedlungen der jüngeren Steinzeit
auf leichten, regendurchlässigen Sandböden zu liegen.
6) Der Rest liegt noch unter der jetzt dort befindlichen Tenne.
7) Als unterstes Stück aus einer Tiefe von mehr als 2 m gehoben.
8) Aehnliche Geräte liegen aus der Mark mehrfach vor; ich erinnere nur an das schön verzierte und am Ende, wie auch sonst öfter, durchbohrte Stück aus den Wildgruben von Fernewerder( vgl. Kiekebusch, Landeskunde d. M. Br. III, 356, Abb. 166).
9) Die ursprünglich vorhandene Gelenkkugel ist nachträglich abgebrochen.
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