Heft 
(1924) 33
Seite
73
Einzelbild herunterladen

73

Die Stellen B und C, aneinander anstoßend, sind bei ihrer ziemlich runden Gestaltung als Pfostenlöcher anzusprechen, jenes mit 70, dieses mit ca. 50 cm Durchmesser. B ging bis in eine Tiefe von 1,30 m unter den gewachsenen Boden hinunter, C war bedeutend flacher. Beide Stellen konnten noch von ca. 80 cm unter der Erd­oberfläche bis zu ihrer größten Tiefe ausgehoben werden und brachten reiches, z. T. verziertes Scherbenmaterial, sonst nichts.

Eine nähere Prüfung des gesamten Scherbenbestandes ergab interessante Aufschlüsse und eine eigenartige Stellung unserer Siedlung in der steinzeitlichen Kultur der Mark.

An Gefäßen sind große, grobe, dickwandige, kaum gegliederte und unverzierte Wirtschaftsgefäße und kleinere, aus besserem Ton ohne wesentlichen Steinzusatz geformte, meist verzierte Schüsseln, Die Bodenstücke zeigen viel­Krüge und Näpfe vorhanden gewesen. fach sehr kleinen Durchmesser, während die Wandungen schnell weit ausladen. Ein grobes Vorratsfaß trägt zwei starke Henkel mit nur kleinen ösenförmigen Oeffnungen; die steinzeitliche Form des Oesen­henkels ist überhaupt öfter vertreten, bisweilen mit einer Einsattelung in der Mitte versehen( Abb. 6). Daneben erscheint ein Henkel mit etwas höherer Oeffnung und ein wenig über den Rand des Gefäßes emporgezogen, ähnlich einem Schüsselchen bei Brunner, Steinzeit­liche Keramik der Mark Abb. 5. Ein Henkel zeigt eine Hohlkehle als untere Fortsetzung, ein andermal ziehen sich solche Furchen zu beiden Seiten des Henkels hin. Der Rand der großen Vorratsgefäße ist bisweilen gekerbt, bisweilen ziehen sich Fingertupfen ringsherum. Oft ist der Rand verstärkt dadurch, daß die Töpferin den weichen Ton mit den Fingern kräftig zusammengedrückt hat ähnlich der Hausfrau, die einen Kuchenrand herstellt. In diesem Falle ergaben sich die erwähnten Fingertupfen als Ornament von selbst. Die Randverstärkung erscheint auch als dicke Lippe oder gar als regelrechte Randleiste und erinnert in der Profilierung an gewisse Wirtschaftsgefäße der La Tène­zeit. Auch die oben schon angeführten Randlöcher, in gleichförmigem Abstand dicht unter dem Rande durch den noch weichen Ton gebohrt, kehren wieder( Abb. 16), vermutlich um einen Deckel mit Schnüren auf dem Gefäß zu befestigen, wie es anderswo 10) beobachtet ist, oder Diese Gefäße mit aber um das Gefäß aufhängen zu können 11). durchlochtem Rand, die seinerzeit noch sehr wenig gefunden waren, veranlaßten Voß, Beziehungen nach Ostpreußen und den baltischen Ländern zu suchen und einen Zusammenhang mit dem dort er­scheinenden neolithischen Grubenornament anzunehmen. Heute kennen wir die ziemlich allgemeine Verbreitung der Gefäße mit durchlochtem Rande 12), und für die Erkenntnis kultureller Zusammenhänge sind sie Anders steht es bei den nasen- oder hornähn­kaum zu verwenden. lichen Henkelzäpfchen mit seitlicher Durchbohrung, die auch von

10) Schumann, Steinzeitgräber d. Uckermark, 1904, S. 18 und S. Müller, Stenalderen, Abb. 217. Vgl. auch Seger, die keramischen Stilarten. Schlesische Vorzeit. N. F. VII, 36 und die Trommeln der Bernburger Keramik.

11) Die sonst oft unter dem Rande angebrachten Knubben und Warzen mögen demselben Zwecke gedient auch aus Waltersdorf liegen Stücke vor haben.

-

12) Aus der Mark vgl. z. B. Gefäße von Flieth u. Dedelow bei Schumann a. a. O. Tafel 13, 14 u. 18. Aus Schlesien Seger a. a. O. Abb. 161 u. andere. Von Wilhelmsau( Kr. Nieder- Barnim) liegt in der Slg. Wilke ein Lochrandscherben, die Löcher sind jedoch in den schon gebrannten Ton gebohrt.