Heft 
(1924) 33
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Statt der Leiter fallen gelegentlich auch Bänder aus Winkelstich­linien oder aus Schnittlinien mit hineingesetzten dreieckigen Kerbstichen über den Bauch des Gefäßes herunter( Abb. 13); eine flache Schale hat ein gleiches Muster aus kerbschnittähnlichen Stichen getragen, ihren Rand schmückte ein doppeltes, ineinander gestelltes Wolfszahnband, dessen einzelne Zähne in gleicher Kerbschnittmanier hergestellt waren ( Abb. 14a u. b). Das Muster als solches und seine Technik ist, soweit ich sehe, in der Mark, wenn nicht ungebräuchlich, so doch selten 31); in seiner Zusammenstellung der steinzeitlichen Ornamente des Saale­gebietes bringt Götze 32) auch das Wolfszahnmuster, aber in geradezu idealer Gleichheit wird die ganze kerbschnittähnliche Verzierungsweise von den Noẞwitzer Steinzeitleuten angewandt. Seger gibt a. a. O. S. 41 eine Mustertafel der an der Noßwitzer stichverzierten Ware vorkommenden Ornamenttechniken und Verzierungsmuster, und hier haben wir in überraschender Vollständigkeit sämtliche Waltersdorfer Motive vertreten, während uns die sonstige jungsteinzeitliche Keramik Brandenburgs beim Finden von Parallelen ziemlich in Stich läßt. Nimmt man nun noch dazu, daß auch in Noßwitz der Trichterrandbecher bezw. die Trichterrandschale eine sehr beliebte Gefäßform darstellt, so läßt sich an einem Kulturzusammenhang zwischen beiden Plätzen kaum noch zweifeln.

Bevor ich abschließe, muß ich noch ein Gefäßbruchstück erwähnen, das in seinem Dekor und in der Technik auffallend an die Ware der älteren Megalithgräber mit ihren tiefeingestochenen Mustern erinnert ( Abb. 17). Ein einfaches Linienband in der sogenannten wagerechten Terrassenfurche 33) trennt Hals und Körper des Gefäßes; von der Schulter zum Bauch ziehen sich Zonen von senkrechten Schnittlinien bezw. von v und w- förmig zueinander gestellten Meißelstichen 34). Die Form der Scherbe deutet auf einen bauchigen Topf mit verwaschenen Konturen.

Damit sind die Funde von Waltersdorf erschöpft, wenn ich von einem Stück Hüttenlehm absehe, das nichts Besonderes bietet. Wir haben erkannt, daß die Kultur der bisher nur in geringem Umfang aufgedeckten Siedlung trotz einzelner Anklänge an benachbarte Kultur­erscheinungen 35) doch in gewisser Weise aus dem Rahmen der sonst aus der Mark bekannten Steinzeitkulturen herausfällt und mehr zu Funden paßt, die in Schlesien gemacht worden sind. Seger führt

31) Die dreieckige Kerbstichmanier, nur nicht bandmäßig und vertikal ver­wendet, findet sich in Walternienburg( Jahresschr. f. Vorgesch. der sächs. thür. Länder 10, Taf. XX Abb. 8), in Päwesin, Brunner a. a. O. Abb. 25 u. von Hoppenrade. Aus dem Schönfelder Stilkreis vgl. Aberg, das nord. Kulturgebiet II, Abb. 246 eine Schale von Wedlitz( Anhalt) mit einer ähnlichen Dekortechnik.

32) vgl. Tafel am Schluß der Abhandlung.

33) vgl. Brunner a a. O. Abb. 39 von Rhinow.

Terrassenfurche.

Auch Schmergow hat die

Ähnliche Tonware

34) vgl Kupka, Stendaler Beiträge 4, 364 ff. mit Abb. rechnet er da zu der schon erwähnten Keramik der Langgräber, d. h. der Zeit, die der Schlußperiode der jüngeren Steinzeit mit ihren vielen Stilgruppen in Mitteldeutschland vorangeht. Die Arbeit bietet wertvolle Anregungen, auch brandenburgisches Material ist herangezogen. Eine Nachprüfung der Ergebnisse an Hand aller märkischen Funde wäre wünschenswert. Schmergow bietet z. B. Ähnliches.

35) Ich erwähne noch eine Eigentümlichkeit, die Götze von der Walter­nienburger Keramik hervorhebt( Präh. Ztschr. IV, 116) und die auch in Waltersdorf beobachtet wird. Hier wie dort wird nämlich die Linienführung des gesamten Ornamentmusters vorgerissen und dann erst die Ausfüllung durch Tiefstich, Furchenstich usw. vorgenommen.