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Stellen mit gleichen Kulturerscheinungen wie in Noẞwitz aus den Kreisen Glogau, Sprottau, Guhrau, Liegnitz, Militsch, Breslau, Nimptsch ( Jordansmühl!), Ohlau, Leobschütz und Ratibor an und verfolgt den Weg der Noẞwitzer Kultur über Troppau weiter nach Süden und Osten 36). Mit guten Gründen nimmt er an, daß die Noßwitzer Stichkeramiker in der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends v. Chr. aus dem Norden bezw. Nordwesten 37) gekommen sind, woher sie ihre eigenartige Verzierungsweise mitgebracht haben; gewisse nebensächliche Stilelemente sind ihnen dabei natürlich von Süden her übermittelt 38). In der Beweisführung der Nord- Südwanderung weist Seger dabei auf Berührungen hin, welche die sogenannte Stichreihenkeramik Schlesiens zu der ähnlich verzierten Ware des Steinkammergrabes von Kl. Rietz ( Kr. Westhavelland) und andere Nosswitzer Verzierungselemente zur Uckermark aufweisen. In dieser Beweisführung stellt nun Waltersdorf gewissermaßen eine weitere Etappe des Weges dar, den die Noẞwitzleute etwa von Schleswig- Holstein aus durch die Mark nach Schlesien genommen haben, und auch Kahnsdorf und Freesdorf, die oben erwähnt wurden, liegen an dieser Straße 39). Daß diese Schlußfolgerung nichts Gezwungenes an sich hat, scheint mir daraus hervorzugehen, daß die Waltersdorfer Trichterrandware lediglich Innenverzierung des Randes aufweist, eine Sitte, die im Norden und Nordwesten üblich ist, während die schlesischen Gefäße dieser Art durchweg den Rand innen und außen verziert haben, was eine Eigentümlichkeit der von Kossinna sogenannten Ostgruppe darstellt. Die Trichterrandschale von Satzkorn 40) mit ihren an östliche Muster erinnernden Strichzonen am Rande und Doppelverzierung und die Verbreitung der Trichterrandware überhaupt erfährt so zugleich eine neue Beleuchtung.
36) a. a. O. S. 53.
37) a. a. O. S. 54 u. 88 f.
38) Die Nosswitzer stichkeramische Siedlung liegt über einer älteren bandkeramischen Station, jedoch liegen Anhaltspunkte für eine Berührung beider Kulturen an Ort und Stelle nicht vor.
39) Ob der Weg direkt von NW nach SO gegangen ist oder mit einem Umweg über die Uckermark und überhaupt das untere Odergebiet, bedarf weiterer Prüfung. Die bald erscheinenden Untersuchungen Dr. Sprockhoffs dürften schon einige weitere Aufklärung geben.
40) Abb. 172 bei Kiekebusch, Landeskunde III, S. 361.