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Auf
Das Scheibengefäß von Treuenbrietzen.
Von cand, arch. WALTER MATTHES.
uf dem Galgenberge bei Treuenbrietzen, einer Fundstelle vorgeschichtlicher Altertümer, fand Rektor Thürmann im Jahre 1903 in einer Sandgrube ein Tongefäß mit Leichenbrand und geschmolzenen Bronzeresten. Er schenkte es dem Märkischen Museum( II 23730) und lieferte einen genauen Fundbericht. Das seltsame Gefäß( Abb. 1) erregte bald .Aufsehen; denn es unterschied sich durch die Technik der Herstellung von allen vorgeschichtlichen Gefäßen, die damals aus der Mark bekannt waren. Die Bruchstellen der Scherben zeigen ein auffallend feines Material, der Ton war vor der Herstellung der Gefäße sorgfältig geknetet und geschlämmt. Das Gefäß ist auf der Töpferscheibe gearbeitet, Die Außenwie feine umlaufende Rillen an der Innenseite beweisen. seite ist mit der„ Schiene" geglättet, mit der genäßten Hand nachgearbeitet und mit einem Ueberzug versehen( ,, begossen oder, engobiert"). Der Boden ist sehr sauber von der Scheibe abgetrennt und ebenfalls geglättet, begossen und nachgearbeitet. Dann ist es im geschlossenen Ofen klingend hart gebrannt bei einer Hitze, die auf 950° C geschätzt wird. Diese Herstellungsart kannte man damals bei märkischen Urnen der Vorzeit nicht. Sie bestehen aus gröberem Material, das meist mit Steinchen durchsetzt ist, sind rauh und nicht allzu sorgfältig geglättet, aus der freien Hand geformt und am offenen Feuer gebrannt. Bei diesen auffallenden technischen Besonderheiten wurden bald nach der Einlieferung ins Museum Zweifel an der Echtheit der Urne von Treuenbrietzen laut. Man wollte sie für eine moderne Fälschung halten. Steinhardt¹) wandte sich mit Recht gegen eine solche Annahme. Nur um wenige Altertumsfreunde zu täuschen, hätte man nicht soviel Mühe und Kosten angewandt, wie die Herstellung des Gefäßes verursachen würde. Auch die Schichten, in denen das Gefäß stand, machten nicht den Eindruck moderner Störung. So vermutete Steinhardt, daß das Gefäß eingeführt sei( a. a. O. S. 507), und Buchholz stimmte dieser Annahme zu und glaubte das 1. oder 2. Jahrhundert nach Christus als die Zeit der Einfuhr annehmen zu können( a. a. O. S. 501f.).
Doch ist die Urne von Treuenbrietzen nicht ein Unikum, wie man es damals glaubte. Auch aus anderen Landschaften Norddeutschlands sind Gefäße ähnlicher Form und Technik bekannt geworden. Von dem Urnenfriedhof von Rebenstorf( Kr. Lüchow) besitzt die Praehistorische Abteilung der Staatlichen Museen zu Berlin 2 ähnliche Gefäße gleicher Technik( 1/ 368.373, Abb. 2, 3) 2). Beide enthielten Leichenbrand, das erste( I/ 368) eine bronzene Armbrustfibel( Almgren, Nordeuropäische Fibelformen Gruppe VII Serie 3), die in die zweite Hälfte des 3. Jahrhunderts und in das 4. Jahrhundert nach Christus zu setzen ist. Die Scheibengefäße von Rebenstorf gehören also in die spätrömische Periode. Das Städtische Museum zu Braunschweig besitzt ein Scheibengefäß von Langeleben
1) Brandenburgia, Monatshefte 14( 1905/6) S. 502-507.
2) Weigel, Das Gräberfeld von Dahlhausen. Archiv f. Anthropol. XXII S. 246