Heft 
(1924) 33
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von einer Fundstelle, die noch spätrömische Schalenurnen geliefert hat, und eins von Räbke am Elm. Die Ausgrabungen eines spätrömischen Friedhofes bei Ricklingen( b. Hannover) durch das Provinzialmuseum zu Hannover lieferte 3 Urnen, die auf der Scheibe gearbeitet sind( Grab 7. 22. 24), wie mir Herr Dr. Gummel freundlichst mitteilte.

Alle diese Gefäße stellen nach Form, Technik und Verzierung eine einheitliche Gruppe dar, die nach den einzelnen Fundumständen in die spätrömische Periode, in das 3. und 4. Jahrhundert n. Chr., gehört. In ihrer Form ähneln sie den Schalenurnen, die in spätrömischer Zeit im Elbgebiet auftreten. Die Breite ist größer als die Höhe, die Stelle der größten Breite liegt meist in der Mitte, der Umbruch ist rundlich. Bisweilen ist ein Rand von der Schulter besonders abgesetzt, bisweilen bilden Schulter und Rand einen konischen Oberteil. Die Randlippe ist verstärkt oder nach außen umgebogen. Die meisten Gefäße haben einen Standring. Die Außenfläche des Oberteils ist häufig mit einem horizontalen Wulst verziert. Die Farbe ist schwärzlich, grau oder braun. Der Ton ist fein geschlämmt und hart gebrannt.

Dieser Formengruppe, deren Exemplare auf westgermanischem Boden gefunden sind, schließt sich die Urne von Treuenbrietzen zwang­los an. Sie ist also ebenfalls in die spätrömische Periode, das 3. und 4. Jahrhundert n. Chr., zu setzen. Jeder Zweifel an der Echtheit ist bei so vielen Parallelfunden ausgeschlossen. Auch in anderen Land­schaften des germanischen Siedlungsgebietes sind Scheibengefäße gefunden worden, die aus der spätrömischen Periode stammen( z. B. in Schlesien). Meist zeigen auch sie eine große technische Voll­kommenheit. Es ist nun nicht anzunehmen, daß die Scheibentechnik in dieser Zeit von den Germanen selbständig erfunden ist dazu tritt sie viel zu plötzlich und unvermittelt auf, sondern sie ist aus dem Bereich der römischen Kultur eingedrungen. Es ist noch zu untersuchen, aus welchem Teile des römischen Reiches sie gekommen ist.

Die ostgermanischen Stämme, wie etwa die Vandalen in Schlesien, konnten sie aus dem östlichen Teile des Römerreiches übernehmen. Mit Südrußland und dem Donaugebiet unterhielten sie kulturelle Be­ziehungen. Hier hatten sich Teile von ihnen niedergelassen und konnten neben anderen kulturellen Neuheiten auch die Kenntnis der Drehscheibe übernehmen und in die Heimat übertragen. Und so finden sich ganz ähnliche Formen der Scheibengefäße in Südrußland'), in Siebenbürgen 2) und in Ostdeutschland 3). Derselbe kulturelle Zu­sammenhang zwischen Ostdeutschland und dem Südosten, der sich in der Uebertragung der Scheibentechnik ausspricht, findet auch in der Verbreitung der Fibel mit umgeschlagenem Fuß und der Verzierung mit bunten Steinen oder Glasstücken seinen Ausdruck. Auch sie sind von Südosteuropa zu den Germanenstämmen im Mutterlande übertragen ( ,, gotischer" oder südrussischer Kulturstrom")).

Von den ostgermanischen Drehscheibengefäßen unterscheiden sich die oben genannten Exemplare, die auf westgermanischem Boden gefunden sind. Während die ersten mit der Dreizahl ihrer Henkel den ostgermanischen Gefäßen sehr nahe stehen, die aus freier Hand geformt

1) Mainzer Zeitschrift I( 1906) S. 45, Abb. 3 Nr. 11.

2) VII. Bericht d. Röm. German. Kommission( 1912) S. 268, Abb. 6, Nr. 13, S. 266. 3) Gefäß von Riedebeck, Kr. Luckau. Prähist. Abteilg. d. Staatl. Museums zu Berlin If 8358.

Almgren, Nordeuropäische Fibelformen S. 125 f.