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sind, ähneln die letzteren in ihrer Formgebung und Henkellosigkeit den handgemachten Schalenurnen des westgermanischen Elbgebiets. Bei diesen Unterschieden erscheint es sehr zweifelhaft, ob die zweite Gruppe ebenfalls auf Anregung aus dem Südosten, etwa gar durch Die Westgermanen Vermittelung der Ostgermanen, entstanden ist. standen an einer anderen Stelle in direkter Berührung mit der Kultur des Römerreichs, nämlich am Rhein. In Südwestdeutschland haben sich die Alemannen, die aus dem westgermanischen Elbgebiet gekommen sind, auf römischem Boden niedergelassen. Hier hatten sie die Möglichkeit, die Kenntnis der Scheibentechnik zu erwerben und denen, die in der norddeutschen Heimat zurückgeblieben waren, zu übermitteln. Und da erscheint es garnicht verwunderlich, daß sich in Südwestdeutschland in germanischen Gräbern der spätrömischen Zeit Drehscheibengefäße finden, die den oben genannten westgermanischen Drehscheibengefäßen und den Schalenurnen des Elbgebiets sehr stark ähneln. Es sind besonders 2 Gefäße aus dem 2. Skelettgrab von Niederursel( bei Frankfurt a. M.)'), ein Gefäß aus einem Skelettgrabe von Stockstadt a. M.) und ein Gefäß aus dem Grabe von Neuenheim ( bei Heidelberg)). In der Formgebung, in der Henkellosigkeit, in der Verzierung mit horizontalen Wülsten und in der Technik ähneln diese süddeutschen Gefäße dermaßen den oben genannten norddeutschen, daß Beziehungen zwischen beiden Gruppen anzunehmen sind. diese Beziehungen sind wahrscheinlich wie bei den Ostgermanen als , Kulturrückstrom" aufzufassen: die ausgewanderten Volksteile haben denen, die im Heimatlande zurückgeblieben sind, ihre neuen Errungenschaften mitgeteilt.
Und
So erklärt sich das Auftreten des auffallenden Gefäßes von Treuenbrietzen am besten durch die Völkerbewegungen, in denen die Bewohner des Elbgebiets in der spätrömischen Periode nach Südwestdeutschland gekommen sind, und durch die kulturellen Beziehungen, die durch diese Wanderungen hergestellt sind.
1) Westdeutsche Zeitschr. 21( 1902) S. 1 ff. Quilling, Spätrömische GerAltertümer unserer heidnischen manengräber bei Frankfurt a. M.
Vorzeit. Bd. V, Taf. 4, 80, 81. VII. Bericht der Röm. Germ. Kommission ( 1912) S. 259( Brenner),
2) A. h. V. Bd. V, Taf. 4, 65.
3) A. h. V. Bd. V, Taf. 5, 93.