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Die Verwirklichung der Heimatschule.
Von W. RATTHEY,
Vorsitzender der Heimatkundlichen Vereinigung des Berl. Lehrer- Vereins und Leiter der Heimat- Schulsammlung.
Irgendwo hat seit alters in den Berliner Gemeindeschulen( nur über
diese kann ich hier berichten), die Heimatkunde einen Platz gefunden. Dieser Platz war aber lange Zeit hindurch ein nur zu bescheidenes Plätzchen. Daraus darf allerdings dem Berliner Schulwesen der vergangenen Zeit kein Vorwurf gemacht werden. Es war allenthalben nicht besser, eher noch schlechter, obwohl unter engeren Verhältnissen nicht die Schwierigkeiten im Wege standen, die in Berlin sich aus der Größe des Ortes und der Zusammensetzung der Lehrerschaft mit Naturnotwendigkeit ergaben. Wenn wir daran denken, daß unter den Lehrern die Zahl der geborenen Berliner verhältnismäßig gering, die übergroße Mehrzahl fern von Berlin geboren und erwachsen ist( bei den Lehrerinnen lagen die Dinge wesentlich günstiger, ohne im allgemeinen das Gesamtergebnis vorteilhaft zu beeinflussen), so ist es verständlich, daß die vorhandenen Bestimmungen in der Luft schwebten. Und doch darf die Berliner Lehrerschaft mit Stolz darauf hinweisen, daß aus ihren Reihen schon früh Vorkämpfer für die grundsätzliche Umgestaltung des heimatkundlichen Unterrichtes erwuchsen; es bleibt unbestreitbares Verdienst von Rissmann, Pretzel, Kalb, zu denen seit 1908 noch Dr. Kiekebusch trat, die Grundlinien für den Umbau gezeigt und am Umbau tatkräftig mitgewirkt zu haben. Soweit ich die Sachlage überschauen kann, ist in Berliner Lehrerkreisen schon vor Jahrzehnten das Wort„ Heimatschule" gebraucht worden, nicht als Worthülse oder leere Formel, sondern fast in dem gleichen Sinne wie wir es heute tun.
Aus dem Kreise derer, die 1912 die Heimatausstellung auf der Lichthofgalerie des Abgeordnetenhauses vorbereiteten, entstand die Heimatkundliche Vereinigung des Berliner Lehrervereins im Jahre 1913( zunächst unter dem Vorsitz Alfons Kochanowskis, seit 1919 unter dem des Schreibers dieses Berichtes), weil eben die Vorbereitung der Ausstellung gezeigt hatte, wieviel Arbeit noch zu leisten sei. In jener Zeit stand die Frage: Heimatkunde als als Fach oder Heimatkunde als Grundsatz! im Blickfeld der Arbeit. Die junge Vereinigung entschloß sich sehr früh dazu, das ,, oder" durch, und" zu ersetzen. Die spätere Entwicklung gab ihr recht. Der Lehrplan von 1914 wurde von Dr. Kiekebusch mit Recht kurz nach seinem Erscheinen als ein bedeutsamer, unerwartet weitgreifender Fortschritt bezeichnet. Er stellte die Lehrerschaft und mit ihr die junge Vereinigung vor neue Aufgaben; die Heimat- Schulsammlung, die Schaffung wichtiger Lehrmittel, die Abhaltung von Lehrerkursen wurde in Angriff genommen; da kam der Krieg. Zunächst schien alles gelähmt
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mehr als die Hälfte der Mitglieder der Vereinigung wurde sofort einberufen. Die Zurückgebliebenen besannen
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