Heft 
(1926) 35
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BRANDENBURGIA

Die Entstehung von Berlin- Cölln im Lichte der historischen Siedlungskunde.

Mit 3 Karten.

Von Prof. ROBERT MIELKE.

der

Berlin- Cölln sind seit mehr als 150 Jahren Gegenstand der Forschung. Die Ergebnisse spiegeln sich in den verschiedenen wissenschaftlichen Methoden, die freilich auch Hemmnisse Forschung geworden sind. Ueberlieferungen und Urkunden boten die Grundlagen, auf denen man das Geschick der beiden Schwester­städte bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts darstellte, auf Grund deren Klöden die Pläne der frühesten Stadtgestaltung zu entwerfen unternahm. Hat auch nicht alles der Kritik standgehalten, so danken wir doch der Urkundenforschung und der neueren Geschichtsschreibung die Aufhellung der politischen Frühgeschichte, über die die Urkunden nur mangelhaftes Licht verbreiten. Geschichts- und Urkundenforschung haben über die diplomatische, politische und wirtschaftliche Entwicklung der Frühzeit durch scharfsinnige und vorsichtige Kritik manches auf­gehellt, was vorher dunkel oder mißverstanden war, aber dem eigent­lichen Problem, der Entstehung Berlins, sind sie nicht näher gekommen. Sie konnten es nicht, weil das Problem kein rein geschichtliches mehr ist, sondern eine Frage, die von der Geschichte nur in Verbindung mit anderen Schwesterwissenschaften beantwortet werden kann. Schon die Bodenkunde und die Vorgeschichte leuchten in Vergangen­Zur heiten hinein, die der Geschichtsforschung nicht erreichbar sind. letzteren haben die Forschungen von Kiekebusch in der Um­gebung Berlins soviele Siedlungen von der Bronze- bis zur Slawenzeit ans Licht gebracht, daß sie allein ein reges Kulturleben nachweisen, das seine Auswirkungen auch über die Stätte der späteren Reichs­hauptstadt ausgestrahlt haben muß. Ueber den geologischen Unter­grund sind durch die Lossen'schen Untersuchungen neue Gesichts­punkte aufgestellt, die freilich bei der Geschichtswissenschaft nicht die Beachtung gefunden haben, wie die gleichzeitigen Reppin' schen Bodenforschungen für Leipzig. Dann aber haben auch die Siedlungs­geographen durch scharfsinnige Untersuchungen Wege gewiesen, die für die Aufhellung der frühen Geschichte eines Ortes nicht unberück­Es sei an die Arbeiten von Ratzel, sichtigt bleiben können. Hettner, Kirchhoff, Hahn und besonders von Gradmann, Schlüter und seiner Schule erinnert. Durch sie wurde die Lokal­forschung von dem Schwergewicht ihrer örtlichen Hemmnisse befreit und dem breiten Strom der wissenschaftlichen Erkenntnis eingefügt, die das Einzelschicksal immer nur als Glied einer gesetzmäßigen Entwicklung bewertet. Die Siedlungskunde hat nachgewiesen, daß den Nachrichten über Neubegründung einer Stadt mindestens mit