BRANDENBURGIA
Die Entstehung von Berlin- Cölln im Lichte der historischen Siedlungskunde.
Mit 3 Karten.
Von Prof. ROBERT MIELKE.
der
Berlin- Cölln sind seit mehr als 150 Jahren Gegenstand der Forschung. Die Ergebnisse spiegeln sich in den verschiedenen wissenschaftlichen Methoden, die freilich auch Hemmnisse Forschung geworden sind. Ueberlieferungen und Urkunden boten die Grundlagen, auf denen man das Geschick der beiden Schwesterstädte bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts darstellte, auf Grund deren Klöden die Pläne der frühesten Stadtgestaltung zu entwerfen unternahm. Hat auch nicht alles der Kritik standgehalten, so danken wir doch der Urkundenforschung und der neueren Geschichtsschreibung die Aufhellung der politischen Frühgeschichte, über die die Urkunden nur mangelhaftes Licht verbreiten. Geschichts- und Urkundenforschung haben über die diplomatische, politische und wirtschaftliche Entwicklung der Frühzeit durch scharfsinnige und vorsichtige Kritik manches aufgehellt, was vorher dunkel oder mißverstanden war, aber dem eigentlichen Problem, der Entstehung Berlins, sind sie nicht näher gekommen. Sie konnten es nicht, weil das Problem kein rein geschichtliches mehr ist, sondern eine Frage, die von der Geschichte nur in Verbindung mit anderen Schwesterwissenschaften beantwortet werden kann. Schon die Bodenkunde und die Vorgeschichte leuchten in VergangenZur heiten hinein, die der Geschichtsforschung nicht erreichbar sind. letzteren haben die Forschungen von Kiekebusch in der Umgebung Berlins soviele Siedlungen von der Bronze- bis zur Slawenzeit ans Licht gebracht, daß sie allein ein reges Kulturleben nachweisen, das seine Auswirkungen auch über die Stätte der späteren Reichshauptstadt ausgestrahlt haben muß. Ueber den geologischen Untergrund sind durch die Lossen'schen Untersuchungen neue Gesichtspunkte aufgestellt, die freilich bei der Geschichtswissenschaft nicht die Beachtung gefunden haben, wie die gleichzeitigen Reppin' schen Bodenforschungen für Leipzig. Dann aber haben auch die Siedlungsgeographen durch scharfsinnige Untersuchungen Wege gewiesen, die für die Aufhellung der frühen Geschichte eines Ortes nicht unberückEs sei an die Arbeiten von Ratzel, sichtigt bleiben können. Hettner, Kirchhoff, Hahn und besonders von Gradmann, Schlüter und seiner Schule erinnert. Durch sie wurde die Lokalforschung von dem Schwergewicht ihrer örtlichen Hemmnisse befreit und dem breiten Strom der wissenschaftlichen Erkenntnis eingefügt, die das Einzelschicksal immer nur als Glied einer gesetzmäßigen Entwicklung bewertet. Die Siedlungskunde hat nachgewiesen, daß den Nachrichten über Neubegründung einer Stadt mindestens mit