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mancher Beziehung Vorteile bot, warum der Grundherr von Stralau in Berlin Grundbesitz besaß, und warum der Barnim so heiß umkämpft wurde.
Bei Fürstenwalde war ein Uebergang trotz der günstigeren Lage nicht vorteilhaft. Die Stadt hatte kein Hinterland. Das Gebiet wird nach Westen von der Dahme abgeriegelt. Daher ist das Gebiet erst unter Otto IV. erworben worden und die Stadt verhältnismäßig spät( 1272) erwähnt. Oestlich von Berlin lagen auch in slawischer Zeit keine bedeutenderen Orte, die sich bei einem Dauerverkehr wohl sicher gebildet hätten. Die Frage spitzt sich also auf Cöpenick und Berlin zu. Das erstere als Sitz eines slawischen Fürsten hat eine andre als fortifikatorische Bedeutung nie erlangt und war im Süden von verkehrshemmenden Wasserflächen umgeben; außerdem mußte man hier, von dem sandig- lehmigen Plateau des Teltow aus, noch eine 5 Kilometer breite Talsandfläche überqueren, ehe man in den Ort gelangte, während die Breite der Niederung bei Berlin nur 5 Kilometer beträgt. Darin ist aber Cöpenick ähnlich Berlin, daß an der Mündung der Dahme mehrere Inseln liegen, die zu einer Siedlung mit bescheidenen wirtschaftlichen Wünschen einladen konnten- in Cöpenick waren es vielleicht nur sandige Dünen; in Berlin lockte eine mäßige Diluvialfläche. Es ist undenkbar, daß die Spreeinseln vor der Stadtgründung unbewohnt gewesen sein sollten. Sowohl oro- und hydrographische Verhältnisse als auch die späteren geschichtlichen Ereignisse legen es nahe, an dieser bequemen Paẞstelle schon lange vor der deutschen Besitznahme eine Siedlung zu vermuten.
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Berlin wird 1244 zum ersten Male erwähnt zu einer Zeit, in der der Barnim und der Teltow schon zum größten Teil germanisiert gewesen sein mußten. Wenn eine Stadt wie Berlin nach der gewöhnlichen Annahme um 1230 gegründet(?) wurde und 1244 einen Probst hat, wenn ihre Stadtgerechtsame Vorbild für Frankfurt sein konnte und trotz des markgräflichen Hofes von dem Landesherrn Jahrzehnte lang bei allen politischen Bekundungen gemieden 9a) wurde, dann muß man ihr eine Bedeutung zusprechen, die sie ohne markgräfliche Gunst - entweder durch die Vorzüge der Lage, der Tüchtigkeit der Bewohner oder durch beides- erworben hatte. Der Teltow ist anscheinend langsam und friedlich gewissermaßen unter der Hand- deutsch geworden; im Barnim aber waren heftige Kämpfe vorausgegangen, in denen die meisten der slawischen Siedlungen vernichtet worden sind. Denn gerade dieses Gebiet hat von allen Kreisen der Provinz den geringsten Prozentsatz wendischer Ortsnamen( Karte 2). Ihm schließen sich mit wenig höheren Zahlen die schwach besiedelten Kreise Zauche- Belzig, Luckenwalde und Jüterbog und dann Templin und Teltow an. Wir stehen also vor der bemerkenswerten Tatsache, daß sich vom Norden nach dem Süden durch die Mark eine breite Zone mit vorwiegend deutschen Namen zieht, daß diese östlich und westlich einschließlich des
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Havellandes von Gebieten flankiert wird, in denen umgekehrt die slawischen Ortsnamen vorherrschen. Daraus geht eine sehr wichtige, von den Historikern anscheinend kaum beachtete Tatsache hervor. Da es unwahrscheinlich ist, daß die fruchtbaren Flächen des oberen
9a) Krabbo macht darauf aufmerksam, daß die Markgrafen Johann I. und Otto III, zwischen 1220 und 1267 allein in Spandau 13 mal, in Berlin aber kein Mal urkundlich bezeugt sind. Krabbo, Städtegründungen. Archiv f. Urkundenforschung IV., 1912, S. 257.