Heft 
(1926) 35
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gewesen seien. Es gibt direkte Beweise für das Gegenteil. Als 990 ein Kriegszug gegen die Liutizier geführt wurde, reiste einer der Kriegsmannen dem Heere vorauf über eine lange Brücke" in dem Gau Selpuli( im braunschweigischen Slawengebiet), um sein Landgut zu besichtigen"). Er hatte also mitten im Slawengebiet ein Gut, das er bewirtschaftete. 27 Jahre später erfahren wir zwar³), daß das Landgut Liesca( Leitzkau), das einst dem Bischof Vigo Brandenburg gehört hatte, verwüstet, und von unzähligen wilden Tieren bewohnt war, aber daß diese Tatsache noch bekannt war, bezeugt eine dauernde Verbindung zwischen zwischen Deutschen und Slawen Diese Grenzbevölkerung bestand wohl sicher auch aus zurückgebliebenen Germanen³), die die Verbindung mit den Deutschen aufrecht erhielten. Darauf wird bei der Germanisierung des Teltow noch zurückzukommen sein. Und wenn man solche Be­ziehungen ablehnen will, dann hat doch unter den Slawen selbst ein innerer Verkehr bestanden, der die Flußfurchen überquerte. Die älteren Historiker( Fi dizin, Klöden u. a.) nehmen einen starken Nord­südverkehr über Berlin- Cölln an, um die Bedeutung Berlins zu be­gründen. Wenn ein solcher bestanden hat, dann dürfte er weniger als Durchgangs-, denn als Uebergangsverkehr zwischen den wendischen Gebieten in Frage kommen. Ein Durchgangsverkehr kann aus geschichtlichen und geographischen Gründen nur von Westen nach Osten über die Havelfurche bestanden haben. Wo der Uebergang war, mag zweifelhaft sein, ist für unsere Frage zunächst auch unwesentlich. Der innere Verkehr zwischen den Slawen des Teltow und des Barnim konnte nur über Berlin- Cölln gehen, weil die geographischen Verhältnisse dies nahelegen.

Betrachten wir das Spreetal zwischen Fürstenwalde und Spandau mit seinen breiten Alluvial- und Talsandflächen, so können wir einen verhältnismäßig leichten Uebergang an verschiedenen Stellen suchen: bei Fürstenwalde selbst, wo die Ufer recht nahe an den Fluß heran­treten. Dann finden wir weiter abwärts erst in Cöpenick wieder eine geeignete Paẞstelle, die nach den Münzen Jaczos schon in wendischer Zeit zum Sitz eines Stammeshauptes geworden war. Obwohl noch im Osten Berlins, bei dem alten Dorf Stralau, ein Uebergang leicht ist, so scheint doch Berlin- Cölln die einzige Stelle gewesen zu sein, die bis zur Spreemündung einen dauernden Verkehr gesehen hat. Mindestens hat dieser Platz schon früh eine gewisse Paßbedeutung gehabt, die in deutscher Zeit den Handel immer stärker anzog. Die Frage ist doch naheliegend, warum sich gerade hier später ein starker Verkehr entwickelt hat, warum die Mühlen so schnell in der Hand der Markgrafen sind, warum die Fürsten hier einen Hof hatten und nicht in der dicht vor ihrer Burg Spandau gelegenen Stadt, die in

7) Thietmar von Merseburg, IV. 9.

8) Thietmar, VII. 42.

9) Als Karl der Große in die altmärkischen Gaue Belxem und Osterwalde einrückte, fand er hier noch eine germanische Bevölkerung vor( Kupka, Bei­träge zur Geschichte, Landes- und Volkskunde der Altmark, VI. 1908, Stendal S. 3). Auch die Chronik des Pulcawa berichtet über Brandenburg, daß hier noch eine gens adhuc permixta Slavonica et Saxonica", also eine gemischte Bevölkerung gesessen hat( Schwartz, Märk. Forsch., XX. 1857, S. 107). Auf­fallend ist ferner, daß die drei Hauptfesten der Slawen: Brandenburg, Havel­berg und Mecklenburg( Mikilenburg) deutsche Ortsnamen haben.