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Verhältnissen. Albrecht der Bär und sein Sohn Otto stießen vom Westen bis an die Havel vor, wobei es zunächst gleichgültig ist, ob sie das Land dauernd oder vorübergehend, ganz oder nur teilweise ihrem Einflusse unterwarfen. Der Teltow wurde deutsch unter Otto II. -in der Hauptsache wohl unter Otto III. und Johann I.¹). Erst nach der Sicherung dieser Glacis fiel der Barnim wie eine reife Frucht in die Hand der Anhaltiner.
Wie verhielt sich nun die Siedlung in einem Gelände von so großen Gegensätzen? Auf den lehmigen Höhen finden wir die ältesten Spuren der Besiedlung an den Rändern. Viele Siedlungen späterer Zeit sind ebenfalls hier oder auf diluvialen Kernen, höher gelegenen Inseln, oft aber auch in Tiefgeländen angelegt, die möglichst von allen Seiten von schützenden Niederungen umgeben sind. Das ist nicht nur eine Eigenart Brandenburgs Aue) weist das für die Altmark nach. Der Geologe Deecke³) führt den Nachweis, daß die pommerschen, mecklenburgischen und wahrscheinlich auch die meisten norddeutschen Städte auf diluvialen Inseln oder Halbinseln liegen, die von Niederungen alter breiter Flußtäler umgeben und gesichert sind. Die größte Zahl der pommerschen Städte ist an Stellen angelegt, wo aus Moor und Sumpf sich trockene bebauungsfähige Hügel erheben¹) eine Beobachtung der sich auch der Geograph Gustav Braun ³) anschließt, während Kretzschmar dies wenigstens bei einzelnen Siedlungen, wie bei Zeitz, Mügeln und Borna, zugesteht®). Der Sumpf, die Flußniederung und das Moor sind also keineswegs gemieden, stellenweise sogar bevorzugt. Das lag sicher nicht nur in Sicherheitsgründen, sondern hatte seine Ursache auch darin, daß die Rodung der zusammenhängenden Wälder, in deren Lichtungen nur vereinzelte Siedlungen lagen, nicht in wenigen Jahren zu erzwingen war. Sollten die Spreestädte hier eine Ausnahme gemacht haben?
Die Geschichte berichtet uns zunächst nur von kriegerischen Vorgängen, die indessen schon Vorläufer in Handelsbeziehungen gehabt haben müssen, wie es die bekannte Verordnung Karls des Großen über die Grenzhandelsstädte Bardowiek, Scheeßel, Magdeburg, Erfurt, Hallstadt( bei Bamberg), Forchheim, Bremberg( a. d. Nab), Regensburg, Lorch belegt. Da in der so oft angezogenen Urkunde von 981 Otto der Große dem seiner Gattin gestifteten Kloster Memleben die Orte Nienburg, Dubie und Briechowa schenkt, so bezeugt diese Tatsache, obwohl die Ortschaften nicht anders festgestellt worden sind, als daß sie im Havelga u liegen, doch schon eine feste Beziehung zu dem Slawengebiete Wenn auch der Wendenaufstand von 983 diese deutsche Einwurzelung verschüttet hat, so dürften sich friedliche Beziehungen mit der Zeit wieder angeknüpft haben. Es ist sicher ein Irrtum, anzunehmen, daß während der jahrhundertelangen Slawenkriege alle Kulturbeziehungen abgebrochen
1) Diese Annahme wird in den späteren Ausführungen wahrscheinlich gemacht. 2) 37. Bericht des Altmärkischen Geschichtsvereins, 1910, S. 64. 3) IX Jahresbericht der geographischen Gesellschaft zu Greifswald,
1903-1905.
4) Pommersche Jahrbücher VI., Greifswald 1905.
5) Gustav Braun. Deutschland, dargestellt auf Grund eigener Beobachtung, der Karten und der Literatur, S. 79.
6) Joh. R. Kretzschmar. Die Entstehung von Stadt und Stadtrechten in den Gebieten zwischen der mittleren Saale und der Lausitzer Neiße, S. 81.