Heft 
(1926) 35
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mehr sagen. In der Urkunde von 1232 ist bei Spandau ein Croewel als Grenzbach genannt( versus orientem usque ad fluvium quod Croewel vocatur"). Da nun auch das alte Rhinbett vom Fischerhof an, das heute von Wiesen eingenommen ist, und das zugleich die Grenze zwischen der Grafschaft Ruppin und dem Havellande war28), Kröwel heißt und gerade in der Nachbarschaft alte deutsche Flur­namen wie Westfalenfleck, Plaggen u. a. sich finden, so wird dadurch nahegelegt, an deutsches Sprachgut zu denken. Die auseinander­laufenden alten Rhinläufe lassen sich zwanglos mit dem mittelhoch­deutschen Kröuwel, althd. Krouwel, niederl. Krouwel Gabel, Klaue, Kralle, in Verbindung bringen. Da der Berliner Krögel ursprünglich ein Wasserlauf war, so liegt diese Herleitung jedenfalls näher als aus einem unbewiesenen slawischen Wort.- An dem Geckhol, einer am nördlichen Ende der Klosterstraße gelegenen Oertlichkeit ist man, gestützt auf eine polnische Urkunde, in der eine sumpfige Stelle chechol genannt wird 29), ebenfalls glücklich beim Slawischen gelandet. Ob­gleich die ältere Deutung Geck halt" garnicht so unsinnig ist man denke an die verschiedenen Kehrwieder" als Straßennamen, Kieke­busch und Kiekindiemark" als Ortsnamen Iso will ich sie nicht verteidigen. Ich lese indessen nicht Geck- hol, sondern ge- schol, was einen vernünftigen Sinn ergibt. Ge, ein Präfix aus dem mhd. ge, ahd. gi und ga, angels. gi und ge in der Grundbedeutung des Zu­sammenhaltens, der Vollständigkeit analog dem lat. con- und cum-, in Verbindung mit dem ahd. scolla, scollo, niederl. schol, verwandt auch mit dem altsächs. scola, angels. sceôlu, dem engl. shoal- Schar, Erdscholle 30) würde in freier Uebersetzung bedeuten zusammenhängende Erdscholle, zusammenhängendes Land, vielleicht Gemeinweide, compascuum. Völlige Sicherheit werden wir freilich über dieses und die anderen Worte erst erlangen, wenn auch in Brandenburg die Mundartenforschung erfolgreich eingesetzt hat wie in Rheinland, Schleswig- Holstein, Württemberg und anderen Gebieten.

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Wenden wir uns jetzt nach Cölln. Auch dieser Ort liegt oder lag auf einer, wenn auch wohl bedeutend kleineren Erhebung und war teilweise von Wasserläufen umzogen. Mindestens der Kupfer­graben dürfte natürlich gewesen sein, denn seine Breite und die in ihm gelegenen Inseln, die in älteren Plänen erkennbar sind, lassen es schwer zu, hier eine künstliche Wasserbahn anzunehmen. Daß das Gewässer in geschichtlicher Zeit erweitert und begradigt worden ist, mag möglich sein, ist sogar wahrscheinlich. Als der Ort 1237 er­wähnt wurde, war er bereits Stadt und ist es vermutlich um 1230 geworden. Die Meinungen gehen darüber auseinander, ob Berlin Das ist aber unerheblich oder Cölln zuerst Stadt geworden war. gegenüber der Tatsache, daß beide in einer Weise erwähnt werden, die eine geschichtliche Vergangenheit schon voraussetzt, und die auch einen Unterschied in der Stellung beider Gemeinwesen erkennen läßt. Die Tatsache, daß Berlin sein Stadtrecht aus Brandenburg a. H., Cölln aber das seinige aus Spandau holte, ist bereits erörtert und durch die verschiedenartige Kolonisation des Teltow und des Barnim erklärt worden. In jenem faßten die Deutschen langsam und auf 28) Berghaus. Landbuch der Mark Brandenburg, I., S. 33 Anm.

29) P. Clauswitz. Das Stadtbuch des alten Köln an der Spree aus dem Jahre 1442, S. 8, Anm. 2.

30) Friedr. Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache.