Heft 
(1926) 35
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friedlichem Wege Fuß; im Barnim gingen, bevor er durch Vertrag an die Markgrafen kam, heftige Kämpfe vorauf, in denen die slawischen Siedlungen zugrunde gingen.31) Wie sich Cölln dabei ver­halten hat, wissen wir nicht, jedenfalls hat es, wie das spätere Verhalten der Markgrafen beweist, ihre Gunst nicht zu erringen ver­mocht, obwohl es als Teltowort mit den politischen Ereignissen im Barnim weniger zu tun hatte als Berlin.

Ueber die Topographie des alten Cölln macht das Berliner Stadtbuch einige Andeutungen. Es wird hier von 14 Häusern erzählt, daß sie den Wörtenzins zahlen. Dieser Zins, der sich an den Garten, an die Wörte), klammert, kommt auch an anderen Stellen in Deutsch­land vor, hat dann aber meistens seinen alten Sinn aufgegeben; für Cölln( und Berlin) aber hat die Angabe dadurch einen besonderen Wert, daß die Lage der damit belegten Häuser und Grundstücke so­weit angegeben ist, um sie einigermaßen wieder aufzufinden. In Cölln liegen drei Wörtenhäuser am Köllnischen Fischmarkt zwischen Fischer- und Roßstraße, die anderen an der Wasser-( Ost-) seite der Fischerstraße. Der Wörtenzins ist, soviel ich erkenne, nur Deutschen auferlegt, während von den Wenden Hühner-, Rauch, Haken- u. a. Zinse gefordert wurden.33)

Wir müssen also annehmen, daß die Besitzer der Wördenhäuser Deutsche sind und könnten uns mit der Erkenntnis beruhigen, in der Cöllner Siedlung eine deutsche Dorf- oder Stadtgründung zu sehen. Dem widerspricht aber die Tradition, die in der Fischerstraße ein wendisches Fischerdorf sieht, dem steht aber auch der Stadtplan ent­gegen. Auf älteren Plänen erscheint die Fischerstraße als eine etwas gekrümmte unregelmäßige Straße, wie sie für solche Siedlungen charakteristisch ist. Die Lage unmittelbar an dem Spreeufer spricht dafür, daß hier die älteste Siedlung gelegen war. Funde von Eichen­booten und die Feststellung von Pfahlbauten, die Friedel zusammen­gestellt hat 34), bestätigen dies. Der Köllnische Fischmarkt zeigt da­gegen eine ganz andere Gestaltung. Hier tritt überraschend klar ein deutsches Angerdorf hervor mit seinem Dorfplatze, seiner Dorfkirche und seinen ausgebuchteten Höfereihen, die an den Enden sich ver­engern und nur einen leicht zu verschließenden Durchgang gestatten. Wir haben solche Angerdörfer schon in der mittleren Zone des Teltow

31) Dafür spricht, daß die alten Dörfer im Barnim durchschnittlich eine größere Hufenzahl haben als im Teltow, wo die Besitzerrechte der slawischen Bewohner offenbar mehr geschont wurden als in jenem.

32) Das Wort lebt noch heute in der Mark, stellenweise auch in der Lausitz, und bezeichnet den hinter dem Bauernhofe gelegenen Obstgarten.

33) Das Berliner Stadtbuch ist Ende des 14. Jahrhunderts nieder­geschrieben worden wenigstens in dem uns hier am meisten interessierenden Teile es steht also der Erhebung der beiden Siedlungen zur Stadt noch nahe genug, um seine Angaben glaubhaft erscheinen zu lassen. Der Kompi­lator hat offenbar bei der Niederschrift noch Originalurkunden vor Augen gehabt, die er mit Festhaltung aller abweichenden Schreibweisen abschrieb. Wenn er z. B. für Cölln 7 verschiedene( Colen, Collen, Kollen, Kolen, Colne, Coln, Koln) für den Molken- und Fischmarkt je zwei Schreibweisen( Mulken, Mollen, Fischmarkt, Visgmarkt) anwendet, denn muß man annehmen, daß er einzelne, ihm vorgelegene Dokumente sehr getreu kopiert hat. Das gibt uns die Gewähr, daß seine Ortsangaben bei dem Ruten- und Wordenzins ver­läßlich sind.

34) E. Friedel. Vorgeschichtliche Funde aus Berlin und Umgebung. Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, XVII, 1880.