Heft 
(1926) 35
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kennen gelernt, deren nördlichstes also nicht mehr Tempelhof, sondern Cölln ist. Auch im Barnim sind sie außerordentlich zahlreich und bestätigen die bereits ausgesprochene Vermutung, daß er nach der Vernichtung der Rundlinge mit deutschen Angerdörfern besiedelt. worden war.35) Da ehemalige Angerdörfer garnicht selten in dem Grundplan älterer Stadte erhalten sind( Strausberg, Wusterhausen, Neuruppin, Kemberg, Ronneburg), so können wir es auch bei Cölln nicht ablehnen. Es wird sich wohl nie feststellen lassen, welchen Namen die alte wendische Fischersiedlung einst geführt hat, denn er ist überdeckt von dem Namen des deutschen Angerdorfes, das seinen Namen wahrscheinlich von der rheinischen Colonia übernommen hat und dadurch zu einem Denkmal des Heimatsinnes seiner rheinisch­fränkischen Kolonisten geworden ist. An eine Latinisierung eines angeblich slawischen Colna ist in so früher Zeit nicht zu denken. Niederdeutsch nach dem Rheine weisend sind anscheinend auch die Namen einzelner der ältesten Geschlechter mit Ausnahme eines, das unverkennbar slawisch ist. Vielleicht waren deutsche Ein­wanderer schon in das Kietzdorf in der Fischerstraße gekommen. wie deutsche Kaufleute und Gewerbetreibende nach Berlin und hatten das Bevölkerungsbild verändert; vielleicht hat sich das deutsche Angerdorf Colonia über die benachbarte wendische Siedlung aus­gedehnt, wobei dann die Bevölkerung aufgesogen wurde und ein Slawe sogar zu einer angesehenen Stellung gelangte. Von einem eigentlichen Kietz, d. h. von einer außerhalb der Mauern gelegenen straßenförmigen Siedlung, in die die Wenden verwiesen wurden, ist in Cölln nichts bekannt; nur der Stadtplan, der sich auch hier als eine, der geschriebenen gleichwertige Urkunde erweist, läßt auf die unregelmäßige, straßenförmige Siedlung schließen, wie sie bei den Wenden üblich war.

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Auch aus Cölln sind uns einige Namen teils slawischer, teils deutscher Herkunft bekannt. Zu den ersteren gehört das Ackerland Cöllns, das Semmelland, auf dem die Häuser der Friedrichstadt stehen. Man führt es wohl mit Recht auf das slawische Zemel, Zemla Land zurück( wie bei der russischen Eismeerinsel Nowaja Semlja= Neues Land). Ein anderes Sprachdenkmal ist der Topelitz, die Töplitzwiesen, zwischen Landwehrgraben und ungefähr der König­grätzer Straße, dessen Ursprung, obwohl hier auch eine deutsche Wurzel( Tobel) nicht ganz fernliegt, wohl aus dem Slawischen her­zuleiten sein dürfte.36). Das die Bewohner Cöllns ein ausgedehntes Landgebiet slawisch benennen und im Sprachgebrauch erhalten konnten, beweist die in die slawische Vorzeit hinabreichende Wurzel des Ortes, daß aber beide Wortformen( Semmelland und Töplitz) das

35) Schöneberg, Heiligensee, Glienicke, Pankow, Rosenthal, Blankenfelde, Diesdorf, Neuenhagen, Börnicke, Weesow, Schönfließ, Münchhofen, Wiesenthal, Velten, Birkenwerder, Stolpe, Dalldorf( Wittenau), Reinickendorf, Niederschön­hausen, Zühlsdorf, Basdorf, Schönow, Schwanebeck, Birkholz, Karow, Weißen­see, Marzahn, Danewitz, Grünthal, Freudenberg, Wensickendorf.

36) Von der Silberpappel topola, tsch. topol ist der Rundbau Toppeln ( 1344 toppel) bei Havelberg benannt, ebenso Töplitz( 1318 topelia) bei Werder, bei dem man nicht an teplu, tuplu= warm denken darf wie bei den durch Andere beziehen bei N. auf heiße Quellen bekannten Tepel, Teplitz, Tiflis. topiel, topielica Wasserstrudel, Wasserabgrund, auf einen bösen Wassernix, Weisker, Slavische Sprachreste, I., S. 39. der zahlreiche Opfer hinabzieht."

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Rathenow 1890. Ueberzeugend erscheinen mir die Erklärungen nicht..