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slawische Wortbild früh schon deutsch angeglichen haben, spricht für die Macht der im 12. Jahrhundert einsetzenden Kolonisation.37)
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Doch ein Flurname verdient noch eine besondere Behandlung. Nach der verhältnismäßig späten Urkunde von 1261 übereignet Markgraf Otto III. der Stadt Cölln die Mirica, die einst der Ritter Rudolf von Zstralow besessen hat. Aus der lateinischen Urkunde ist nicht ersichtlich, ob es sich um einen Flur- oder Gattungsnamen handelt. In der Fassung, apud Aulam Berlin Miricam" ist das letzte Wort groß geschrieben und daher vielleicht als Flurname zu deuten; doch setzt das Fehlen jeder Erläuterung zu Mirica voraus, daß man darunter etwas allgemein Bekanntes verstanden haben wollte. Ich möchte annehmen, daß wir es mit einem Gattungsnamen zu tun haben, der vielleicht im Sprachgebrauch zurückgedrängt war und als Flurnamen hängen geblieben ist. Clauswitz 38) macht auf eine pommersche Urkunde von 1313 aufmerksam, in der, solitudo vel merica", also„ Einöde oder Merica" vorkommt; er irrt aber, wenn er diesen Ausdruck auf Ostdeutschland und Polen beschränkt. Das Wort merica ist bereits im 10. Jahrhundert dem arabischen Arzt Ibn ben Jacub bekannt ( 974, silva que Miriquido dicitur") als Bezeichnung für den großen wilden Grenzwald zwischen Böhmen und Sachsen und ist einer der wenigen Flurnamen, die in Ostdeutschland aus altgermanischer Zeit die Slawenherrschaft überdauert haben.39) Es geht auf das althochdeutsche mirk, mirki dunkel, düster und widu Holz zurück. 40) In diesem Sinne wird es in holsteinischen Urkunden wiederholt als Gattungsname, aber nicht als Flurname gebraucht. Eine merica wird 1252 bei Reinbek, 1307 bei Segeberg, eine mirica 1339 bei Rendsburg 1) und 1348 als eine mit Gestrüpp bestandene Gegend bei Grevenbroich im Rheinland erwähnt 2). Von einem Walde Mirwidu an der Mündung des Rheins, östlich von Dortrecht, spricht auch Thietmar( VIII. c. 13). In merica Werbellin" stellt Ludwig der Römer 1355 eine Urkunde aus( Gercken, Cod. VI. 518). Wenn also merica als Flurname nicht gelten kann, dann kann es nur als altdeutscher Sumpf u. a., Gattungsname aufzufassen sein wie lo- Wald, mar Da es aber andererseits in die vielfach in Ortsnamen weiterleben. ehemalig slawischen Gegenden belegt ist, so dürfte es kaum von den deutschen Kolonisten eingeführt worden sein, sondern muß aus der altgermanischen Zeit stammen und kann als weitere Stütze dienen, das Zurückbleiben germanischer Volksreste auch in der Mark zu belegen. Seit Kretzschmar seine Abhandlung über die kolonialen Kaufmannssiedlungen in Sachsen veröffentlicht hat, in der die sog. Landgemeindetheorie, d. h. die Annahme, daß sich die Kolonialstädte aus deutschen Bauernsiedlungen entwickelt hätten, zurückweist und 37) Es sei nochmals unterstrichen, daß ich darunter nicht die amtliche und gewissermaßen offizielle Kolonisation verstehe, sondern die private, still eindringende vom Handel und Ackerbau getragene, über die keine Urkunde vorliegt und auch nicht vorliegen kann.
38) Clauswitz. Das Stadtbuch des alten Cölln an der Spree aus dem Jahre 1442, S 9.
39) Auch Thietmar( VI. c. 8) erwähnt den gleichen Wald Miriquidui. 4) Bei den Inselfriesen bedeutet Mirke die Grube, aus der Erde für die Ausbesserung der Warften genommen wird.( Jahresberichte der Männer vom Morgenstern I., S. 73.
41) Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig- Holsteinische Geschichte, XXXVIII., 1908, S. 183.
42) Zumbusch. Siedlungsgeschichte des Kreises Grevenbroich, S. 59.