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kommen, daß mich Kaeber ausschließlich widerlegen will und meine Ansichten damit vollständig erledigt sind. In einer Tages- wie auch in einer Wanderzeitung konnte man lesen: Dr. Kaeber habe nun endgültig festgestellt, daß Berlin sogleich als Stadt gegründet sei und daß meine Ansicht, Berlin wäre aus einem deutschen Dorfe entstanden, falsch wäre.
So einfach liegt die Sache natürlich nicht. Dr. Kaeber glaubt das ebensowenig wie ich.„ Entschieden" ist hier noch gar nichts. Ich habe in meiner. Arbeit über die Berliner Hufen" alles anzuführen versucht, was für die Entstehung aus einem deutschen Dorfe spricht. Dr. Kaeber hat sich nach Möglichkeit bemüht, diese Zeugnisse zu entkräften und glaubt, daß Berlin von vornherein als Stadt gegründet sei.„ Ohne Hilfe von Hypothesen ist der Natur der Sache nach nicht auszukommen", sagt er selber auf S. 30. Völlig stimmen wir darin überein, daß die Hypothesen, unter Berücksichtigung aller in Betracht kommenden Momente aufgestellt werden" müssen. Sehr weit gehen dagegen unsere Anschauungen auseinander, wenn K. meint, daß der Ursprung der Städte Berlin und Köln nur auf dem Wege der historischen Kritik aufzuhellen" sei. Ich bin nämlich der Ansicht, daß ganz besonders in unserem Falle die auf sehr lückenhafte Quellen angewiesene historische Kritik ergänzt merden muß: 1. durch die der Geschichtswissenschaft immerhin noch sehr nahe stehende agrargeschichtliche Forschung, an die K. ja sicher ebenfalls gedacht hat; wie er ja auch die Stadtpläne in den Kreis seiner Betrachtung zog;
2. durch Berücksichtigung der in den letzten Jahrzehnten gewaltig aufstrebenden Geologie;
3. durch die auf der letzteren und der Vorgeschichte beruhende Siedlungsarchäologie und
4. auch durch die sich mit der Siedlungsform beschäftigende Volkskunde.
Durch Ablehnung der Ergebnisse eines ausgezeichneten Vertreters der letzteren, Robert Mielkes, in schroffer Form, die sich von der Art, mit der K. seinen Kampf gegen mich führt, doch sehr weit entfernt, begeht K. vielleicht seinen größten Fehler. Man braucht mit Mielkes Ansichten durchaus nicht immer übereinzustimmen. Jeder wird aber zugeben müssen, daß Mielke Jahrzehnte hindurch auf zahlreichen Fahrten in das märkische Land und weit darüber hinaus eine solche Fülle von Beobachtungen gesammelt hat, daß wir alle und selbst auch alle Historiker- daraus reichen Nutzen ziehen können für die hier in Frage stehenden Probleme. Gewiß meint es K. nicht böse. Aus innerster Ueberzeugung heraus glaubt er, gegen Mielke zu Felde ziehen zu müssen. Doch, Rob. Mielke wird sich ja selber wehren.') Mir sagt Kaeber auf S. 42:„ K. schaltete alle Gründe aus, die für eine der seinen entgegengesetzte Auffassung sprechen, allein von dem Bestreben geleitet, das für seine Ansicht Sprechende heranzuziehen." Hier geht er wohl bis an die Grenze dessen, was man allenfalls noch sagen darf. Da ich aber weiß, was darüber hinaus schon unter Wissenschaftlern geleistet worden ist, so will ich mich- um mit H. v. Kleist zu reden ,, auf märkische Weise fassen".
1) Er hat es nun bereits getan Vgl. Rob. Mielke: Brandenburgia 1926, S. 1 ff. Dieser Vortrag wurde in der Brandenburgiasitzung am 10 März 1926 gehalten