Heft 
(1926) 35
Seite
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Gibt es aber eine Kirchenheide", dann hat es beim Dorfe Wedding wohl auch Pfarrhufen gegeben und vermutlich 4 wie in Berlin, Lichtenberg, Biesdorf und in fast allen Barnimdörfern. Wo sind die geblieben? Ich kam schon 1916 auf den Gedanken, daß man diese 4 Hufen, die beim Untergange des Dorfes Wedding über­flüssig wurden, vielleicht zur Ausstattung der beiden in derselben Zeit gelegentlich der Stadtwerdung Berlins geschaffenen Hospitäter Georg und Heilig Geist überlassen habe. Und als ich mir den Besitz dieser beiden geistlichen Institute genauer ansah, da konnte ich mit Hilfe des Hypothekenbuches feststellen, daß zu dem betreffenden Grund­stückt 32 die Nummern 13, 59, 67 und 98 gehören, also 4 Hufen, und diese liegen noch dazu fast an der Westgrenze des Berliner Hufenlandes, also in der Nähe des einstigen Dorfes Wedding. Sollte ich das nicht als eine Bestätigung meiner Vermutung auffassen? Ein urkundlicher Beweis ist es natürlich nicht, wohl aber eine in der Wissenschaft nicht nur zulässige, sondern sogar unbedingt not­wendige Kombination. Es kommt doch auch darauf an, etwaige Zusammenhänge zu sehen, die nicht gerade an der Oberfläche liegen. Ich verstehe gar nicht, wie K. in diesem Falle sagen kann, daß ich mich hier ganz auf das Gebiet der Hypothese" begebe, womit er doch sicher sagen will, daß ich über das wissenschaftlich Zulässige hinausgehe. Und doch muß er mir etwas widerwillig ein Zu­geständnis machen. Er sagt nämlich: Die Hufen können ebensogut auf Schenkung beruhen." Ich fasse ihn bei dem Ebensogut". Die Schenkung ist eine Annahme ohne jede Beobachtungsgrundlage. Da halte ich denn doch die von mir vorgeschlagene Lösung nicht nur für ebenso gut, sondern an sich schon für weit besser begründet. In letzter Zeit bin ich in dieser Meinung aber noch wesentlich bestärkt worden. Gelegentlich der Ausgrabungen bei Groß- Machnow beschäf­tigten wir uns in den Abendstunden auch mit der Geschichte von Mittenwalde, und da hörte ich von Herrn Liebchen, der sich gründlich mit der Entwicklung dieser Stadt befaßt hat, daß die dortige Georgs­kapelle mit den Kirchenhufen des ebenfalls verschwundenen Dorfes Wireksdorf ausgestattet worden ist. Eine schönere Parallele kann es wohl nicht geben, und in diesem Falle muß auch Herr K. zufrieden sein, denn diese Tatsache ist urkundlich bezeugt.¹)

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Aber K. will ja überhaupt nichts davon wissen, daß die Hufen­ländereien vom Wedding zu Berlin geschlagen worden sind. Diesen Gedanken hatte ich von Fidicin übernommen), fand ihn sehr ein­leuchtend und habe ihn weiter ausgesponnen. Ich bin auch jetzt noch der Meinung, daß wir damit auf dem richtigen Wege sind. Auch jetzt noch glaube ich, daß die Weddinghufen und das Pankower Feld", also der Teil des Berliner Hufenlandes, der am meisten westlich liegt, etwa gleichbedeutend sind. Wenn ich nun aber versuchte, Jetztere Annahme urkundlich zu stützen, so habe ich damit allerdings fehlgegriffen und K. hat das unbestreitbare Verdienst, dieses mein Versehen" aufgedeckt zu haben. Die 38 Hufen vor diesem Dorfe"( Pankow) sind von mir im Anschluß an Fidicin irrtümlich für die Berliner Hufen des Pankower Feldes" genommen werden, während die Hufen des Dorfes Pankow damit gemeint sind.

1) Riedel A XI, 236 und 237.

2) Fidicin, Histor.- diplom. Beiträge V S. 97 u. 169.