Heft 
(1926) 35
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Lösung nicht sein konnte. Wörtlich sagte ich dann: Die Ent­wicklung schreitet fort über Menschen und Parteimeinungen hinweg. Wer die Geschichte Unbeirrt geht sie ihren notwendigen Gang. Berlins kennt, darf beruhigt sein. Das unbedingt Notwendige hat sich noch immer durchgesetzt." Die Geschichte der letzten Jahre hat mir Recht gegeben. In den Zeiten der größten Not des Vaterlandes wurden die Fesseln des Zweckverbandes gesprengt Berlin hat nun wieder Raum zur Weiterentwicklung, übernimmt damit aber auch die Pflichten, die man einer Weltstadt von 4 Millionen Einwohnern zumuten darf. Kaeber hat selbstverständlich recht, wenn er darauf hinweist, daß wir bei unseren Forschungen mit äußerster Gewissenhaftigkeit und Vorsicht zu Werke gehen müssen. Wir dürfen nicht vergessen, daß heute die Lehren der Wissenschaft durch die namentlich auch von uns ganz besonders gepflegte Heimatkunde in der Schule sehr schnell in weite Kreise getragen werden. Ueberängstlich brauchen wir dabei nicht zu werden. Auch die Schüler sollen zum Nachdenken angehalten werden. Das ist mehr wert als das Nachbeten wirklicher oder vermeintlicher Wahrheiten".

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Wenn nicht alles trügt, stehen wir vor einem neuen Aufschwunge unserer Heimatgeschichte. Kaebers Monographien zur Geschichte der Stadt Berlin" haben wir schon erwähnt. Das Märkische Museum wird sich die Pflege der Geschichte Berlins immer noch mehr zur Aufgabe machen. Die vor kurzem erst gegründete Historische Kommission" für Berlin und Brandenburg wird die Archive öffnen und auswerten. Umfangreiche Arbeiten aus der Geschichte Berlins stellt auch die Gesellschaft der Freunde der deutschen Akademie" in nahe Aussicht. Der ,, Verein für die Geschichte Berlins" bleibt ganz gewiß auch in Zukunft seinem Namen und seiner Ueberlieferung treu. Kaebers Aufsatz erschien in den ,, Forschungen zur brandenbg. preuß. wie wir sehen Geschichte". Und unsere Brandenburgia steht ja mitten in der Arbeit und mitten im Kampfe. ,, Das ist Freude, das ist Leben, wenn's von allen Zweigen schallt."

Dr. Kaeber überreichte mir den Sonderabdruck seiner Abhand­lung, in der er mich bekämpft, mit der Widmung: S. 1. Kollegen und Mitstreiter Dr. K.- amicus mihi K.; magis amicus veritas." Diese Gesinnung weiß ich zu schätzen. Ich freue mich ihrer und erwidere sie von ganzem Herzen. Vorläufig verstehen wir unter Wahrheit" im vorliegenden Falle noch etwas Verschiedenes. Wir sind uns aber sicher einig in dem Bewußtsein, daß wir die Wahr­heit beide noch nicht erkennen, und treffen uns zu gemeinsamer Wir werden vermutlich Wanderung auf dem Wege zur Wahrheit. heute nicht zum letztenmale die Klingen kreuzen. Nie aber, wenn wir es getan, und wenn wir es tun, wollen wir vergessen, daß wir beide im Dienste der gleichen großen Sache unsere Arbeit leisten.