21. (8. außerordentliche) Versammlung des XVII.* Vereinsjahres.
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Bei seinem immensen positiven Wissen, einer fast unglaublichen Belesenheit, verbunden mit einem großartigen, ihn selbst bis ins letzte Lebensjahr nicht verlassenden Gedächtnis ist es ihm vergönnt gewesen, auf den beiden großen Gebieten der menschlichen Erkenntnis: den Naturwissenschaften nnd den sogen. Geistes Wissenschaften als Autorität gleichzeitig wirken zu dürfen. Nächst der Botanik interessierte ihn in der Zoologie am meisten die Vogelwelt. Er vereinigte große Sprach- konntnisse mit Kenntnissen der Sitten, Sagen und Gebräuche besonders im Gebiete der heimatlichen Volkskunde. Alles dies verband ihn auf die natürlichste Weise, ja ich möchte sagen, selbstverständlich mit unserer Brandenburgia.
Glücklich war er auch darin, daß ihm seine gesicherten Lebensverhältnisse gestatteten seinen Studien und Liebhabereien unbekümmert um den Finanzpunkt nachgehen zu können.
Unvermählt verstorben war er doch ein großer Damenfreund. Für sich mit dem einfachsten Lebensunterhalt zufrieden erwies er in seiner Berliner Wohnung wie auf seinen Inseln im Tegeler See allzeit eine freundliche, herzgewinnende Gastlichkeit.
Mit den Titeln seiner Schriften könnte man einen ziemlich umfangreichen Band füllen. Ich lege heut nur seine Doktordissertation vor, datiert von der Berliner Universität den 11. Juli 1846. Obwohl er sich um die Ehren eines Doktor „in medicina et chirurgia“ bewarb, lautet seine Dissertation: „De vegetatione in Germania extra Alpes obvia.“*) Ein Thema, das seit Jahrzehnten nicht bloß die Botaniker und Phyto- paläontologen, sondern auch die Glazialforscher und die Erforscher der aus der Eiszeit bei uns verbliebenen Relikte hochalpiner Formen unablässig beschäftigt. Obwohl man damals noch keine allgemeine Vergletscherung und verschiedene Zwischeneiszeiten für einen großen Teil von Europa kannte, mochte dergleichen in manchen Köpfen sozusagen „vorspuken.“ Jedenfalls ist Bolles Arbeit für die beregten neueren wissenschaftlichen Untersuchungen noch immer von Interesse. Unter den von Bolle bei der Promotion verteidigten Thesen steht eine zoolo- gisch-paläontologische Behauptung, ebenfalls nicht ohne Interesse: „Ve- teruui Urus cum Lithunaiae Auerochs idem non est.“ Bolle hat vollkommen recht': der Ur der Alten ist Bos primigenius und ist ausgestorben, dagegen ist der Auerochs oder Wisent Bos priscus noch lebend in der Bialowitzer Pusta Litauens und im Kaukasus, ein naher Verwandter des leider inzwischen fast ausgerotteten sogen. Büffels der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Vom Ur rühren die stattlichen Buntviehschläge des-Nordens und Nordwestens her, er war zähmbar und domestiziert. Vom Auerstier leiten sich keine Rindviehrassen ab, er gilt als
*) Über die alpine Vegetation in Deutschland außerhalb der Alpen.