Heft 
(1910) 18
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21. (8. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

unzähmbar, wenn er auch in den Zoologischen Gärten allmählich zivili­sierteres Gebahien annimmt.

Mit dergl. Studien beschäftigte sich Bolle schon als Student gern; daß er das medizinische Staatsexamen nicht gemacht, vielmehr die Heil­kunde an den Nagel gehängt hat, um naturgeschichtlichen Lieb­habereien nachzugehen seine Mittel, wie angedeutet, gestatteten ihm das wird man begreiflich finden.

Seinem beigefügten lateinischen Lebenslauf sei folgendes entnommen. Er sei geborensub finem auni 1821; es ist dies eine der kleinen Son­derbarkeiten unsers verewigten Freundes, daß er anfänglich seinen Ge­burtstag den 21. November, später das Geburtsjahr zu verschleiern suchte.

Sein Vater David B. besaß die sehr einträgliche, schon um die Mitte des 18. Jahrhunderts wohlbekannte Bollesche Weißbierbrauerei in der Französischen Straße, seine Mutter hieß Henriette Marggraf. Evan­gelisch, zeichnete Carl B. sich durch große biblische Belesenheit und theologischen Zitatenschatz aus. Er besuchte das Französische Gym­nasium unter Direktor Fournier, der ihm öfters seinen Mangel an Ver­ständnis für die Mathematik vorgehalten habe. Auch der Sinn für Musik fehlte unserm Freunde gänzlich. 1841 wurde er unter dem berühmten Rektor und Zoologen Lichtenstein in die hiesige Universität aufgenommen. Zwei Jahre studierte er zu Bonn und kam 1845 zur Alma Mater Bero- linensis zurück. Unter seinen Berliner Professoren befinden sich u. a. Werder (Philosoph), Link (Botaniker), Weiß (Mineraloge), Mitscherlich (Chemie), Dove (Physik), Johannes Müller (Physiologie), Ritter (Geogra­phie), in Bonn hörte er u. a. folgende Koryphäen, Goldfuß (Zoologie), Dahlmann (Geschichte) und den berühmten Ernst Moritz Arndt, (f 1860). Wissenschaftliche Reisen führten ihn nach Madeira, den Azoren, ins­besondere nach den Kanarischen Inseln, die er genauer botanisch er­forschte. Seine ausgedehnten Herbarien hat das K. Herbarium in Dahlem vermacht erhalten. Mich hat er durch Ernennung zum Testamentsvollstrecker besonders geehrt. Es würde mich freuen, wenn die Stadt Berlin in Besitz Scharfenbergs gelangen könnte und so den Bestand des Arboretums daselbst in den Wald- und Wieseugürtel ein­fügte, der hoffentlich Berlin in weiteren Umfange dereinst umgeben wird.

Die schöne Inschrift, welche die Humboldts ihrem Erzieher, dem Botaniker Kuntli, auf seinem Grabe im Tegeler Park gewidmet:

Grata quiescentem cultorem arbusta loquuntur!

(Die dankbare Baumwelt rühmt ihren Pfleger!)

paßt so recht eigentlich auch auf Scharfenberg für unsern Carl Bolle.

Es hieße einen wesentlichen Faktor aus Bolles Geistesleben ver­schweigen, wenn ich nicht auf seine Lust Verse zu machen, an dieser