Heft 
(1910) 18
Seite
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21. (8. außerordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

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Deckeldoseu eia ganz neuer Typus bekannt wird, der unsere Vorstellung über die in diesen Funden vertretene Kunst wesentlicli erweitert. Zudem treteu an dein neuen Silberschatz ziemlich starke Beziehungen zur christlichen Kunst hervor, während in den Hacksilberfunden das orien­talische Element ausschließlich herrscht. Außer den vier Deckeldosen, die in der Form einander gleichen und sich nur durch Größe und Schmuck voneinander unterscheiden, gehören zu dem Funde ein gleich­armiges hohles Kreuz, zwei Halsringe, zwei lange RiDgketten und zwei Gehänge mit verschiedenen kleinen Gegenständen. Das Gewicht der Silbersachen beträgt insgesamt 1,176 kg. Die Dosen zeigen sehr interessante Verzierungen in getriebener Arbeit, stilisierte Tiere, Pflanzen­ornamente und Bandoruamente. Die eine vollständig erhaltene Dose läßt genau die Art der Deckelbefestigung erkennen, da sich an den beiden Schmalseiten der Dose sowie des Deckels Löcher befinden. Offenbar wurde eine Schnur hindurch gezogen und die Dose hangend getragen, wobei die einfache und praktische Einrichtung ein Verlieren des Deckels unmöglich machte. Das gleicharmige Kreuz schließt sich iu der Herstellungsweise an die Dosen an. Während diese Funde als einzigartig gelten können, sind die beiden Halsringe einem Typus zuzu­zählen, wie er vielfach in Hacksilberfunden auftritt. Sie sind aus dünneren und dickeren runden oder kantigen Drähten geflochten und weisen ebenso wie die beiden Deckel, die aus zu Doppelschleifen gebogenen und ineinandergesteckten Ringen bestehen, eine wohlbekannte Technik auf. Eigentümlich ist an der längeren 114,5 cm langen Kette nur der Schluß mit den beiden fast bis zur Unkenntlichkeit stilisierten röhren­förmigen Tierköpfen, die eine interessante Parallele in dem finn- Uindischen Silberfund von Halikko finden. Von den beiden Gehängen weist das reicher ausgestattete sieben Kettchen auf, an denen sechs Gegenstände hängen: zwei Pfriemen, ein Löffelchen, dessen Schale fünf­mal durlocht ist, ein breiteres und ein schmaleres ohrlöffelartiges Gerät und eiu flacher Spachtel. Den Griff des Löffelchens bildet eine roh modellierte Menschenfigur in langem Gewand, die sich mit der rechten llaud das Kinn stützt. Eine bei dem Schatz gefundene Münze, ein Silber­denar des Abtes von Corvey, Saracho von Rosdorf (10561071), gibt als frühesten Termin für die Vergrabung des Schatzes die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts an. Daß der Schatz von einem Slaven vergraben wurde, läßt die Art des hierzu benutzten Topfes erkennen. Die einzelnen Gegenstände des Fundes müssen ganz verschiedenen Gruppen zugewiesen werden.

Zu diesem Bericht bemerke ich, daß dieser Silberfund im weiteren Sinne zu den Hacksilberfunden gehört, welche bis ungefähr in die Mitte des 12. Jahrhunderts reichen. Dieselben sind auch im Märkischen Museum reichlich vertreten und wiederholt in der Brandenburgia