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23. (0. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.
B. Persönliches.
XII. Unser Gönnermitglied Ingenieuer und Architekt Hermann Knauer ist uns am 18. d. M. plötzlich mitten in rastloser Tätigkeit, erst im 38. Lebensjahre durch einen Herzschlag entrissen worden.
Wir betrauern in ihm einen wahrhaften Mäcen der Brandenburgiu, der sich ihr und uns Mitgliedern allzeit freundlich, entgegenkommend und in großartiger Weise freigiebig erwiesen hat. Ich erinnere nur an das Neue Schauspielhaus und den Mozartsaal am Noliendorfplatz, wie wir die Entstehung dieser gemeinnützigen Prachtbauten verfolgen und uns auch ihrer Vollendung und Verwendung erfreuen durften, an den Besuch des Splendid-IIotels an der Königsgrätzer Straße, an den des Prachtbaus des Esplanade-Hotels an der Bellevue-Straße, an die Alpenfeste, die er in glänzender und doch freundlich gemütlicher Weise anfangs in seiner Wohnung und seinen Ateliers am Viktoria Luise-Platz 9, dann im Mozartsaal alljährlich zu geben pflegte.
Einem Nachruf an Hermann Knauer, dessen Bild wir liier bringen, entnehmen wir gern noch folgende Einzelheiten.
In Hex’mann Knauer ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten aus dem Kreise der Techniker Berlins gestorben. Er war ein Mann von rastloser Tätigkeit, der bis zum letzten Atemzuge großartige Pläne bearbeitete. Seine Genialität wurde von seinen Mitarbeitern bewundert. Alle seine Werke trugen seine persönliche Note. Zahlreiche monumentale Bauten in Berlin, im Rheinland, in Westfalen und in Hamburg sind nach seinen Ideen ausgeführt worden. Er war ein Mann von vorti’efflichem Chai’aktex', dem seine Angestellten, trotz der ungewöhnlichen Anforderungen, die er an ihre Arbeitskraft stellte, in treuer Anhänglichkeit ergeben waren. Er selbst übertraf in seiner Arbeitsleistung alle seine Angestellten. Bis zu der Stunde, wo das Leiden, das ihn einem frühen Ende entgegenführte, die Einschränkung seiner Tätigkeit forderte, gönnte er sich Jahx-e hindurch nicht mehr als fünf Stunden Schlaf. Wiewohl er regelmäßig bis nach Mitternacht arbeitete, gab er seinem Diener strenge Weisung, ihn in fi-üher Morgenstunde zur Foi’tsetzung der Arbeit zu wecken. Für seine rastlose Energie spricht die Tatsache, daß er in dem Sommer, in dem in St. Louis die Weltausstellung stattfand, für die er eine Reihe hervorragender Bauten lieferte, viermal die Reise über den Ozean hin und zurück machte. Die von Hermann Knauer früher geleitete Finna Boswau und Knauer, G. m. b. H., wurde im Ialire 1908 mit der Berliner Terrain- und Bau-Aktien-Gesellschaft vereinigt. Es geschah dies hauptsächlich, um den vielen Unternehmungen von Boswau und Knauer einen sicheren Halt zu geben und um zugleich den Geschäftskreis der Berliner Terrain- und Bau-Aktien-Gesellschaft zu erweitern. Die letztere Gesellschaft erhöhte zu diesem Zweck durch Generalversammlungsbeschluß