Heft 
(1910) 18
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23. (9. ordentliche) Versammlung des XVII. Vereinsjahres.

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der Vorbereitung für die nationale Erhebung und ging nach seiner bereits im Februar 1811 erfolgten Amtsniederlegung nach Prag zu Stein, der durch Napoleon geächtet, sich dorthin zurückgezogen hatte. Grüner fand später mehrfach Verwendung im Staatsdienste, leitete 1815 als Chef der deutschen Polizei in Paris die Rückgabe der geraubten Kunst­schätze und war später Gesandter in der Schweiz. Die am neuen Dienst­gebäude des Polizei-Präsidiums vorüberführende Straße zwischen Stadt­bahn und Alexanderstr. ist nach ihm benannt.

Der örtliche Wirkungskreis des Polizei-Präsidiums beschränkte sich ursprünglich auf das Weichbild der Stadt Berlin, wurde aber bald nach­her im .lahre 1810 auf die Stadt Charlottenburg und den Tiergarten, und einige Monate darauf auch noch auf eine Anzahl in der näheren Umgebung der Stadt belegener Ortschaften der Kreise Teltow und Nieder­barnim, und zwar Schöneberg, Tempelhof, Lichtenberg, Stralau, Pankow, Weißensee, Tegel, Wedding und Moabit ausgedehnt. Nachdem die Leitung sämtlicher Polizei-Anlegenheiten einem Polizei-Präsidenten mit persönlicher Verantwortung übertragen worden war, hörte anch die Ein­mischung des Gouvernements in Polizeiangelegenheiten auf.

Unter den im Laufe der späteren Jahre in das Amt des Polizei- Präsidenten berufenen Persönlichkeiten befindet sich eine, deren ich bei dieser Gelegenheit vor allen anderen gedenken möchte Karl Ludwig Friedrich von Ilinkeldey. Seine Amtszeit umfaßt die Jahre 1848 1856, wurde für die Entwickelung Berlins eine ausschlaggebende und bahnte iu mehr als einer Beziehung eine nerie Richtung an. War doch, wie es in dem Berichte der Berliner Gemeinde-Verwaltung heißt, die Kommunalverwaltung der Stadt zu jener Zeit sich der eignen Ver­antwortlichkeit für die Befriedigung der Bedürfnisse der Bürgerschaft noch nicht in ausreichendem Maße bewußt und überließ es dem Polizei- Präsidium, öffentliche Wohlfahrtseinrichtungen ins Leben zu rufen. Unter diesen von Ilinkeldey geschaffenen Einrichtungen, die in der Hauptsache noch heutigen Tages, jetzt größtenteils unter der Vei'waltung der städtischen Behörden bestehen, seien erwähnt die Wasserleitung und Straßenbesprengung, öffentliche Straßenreinigung, öffentliche Wasch- und Bade-Anstalten, Speiseanstalten und Gesindeherbergen sowie Anschlag­säulen. Auch die Begründung der seinen Namen tragenden Stiftung für hilfsbedürftige Bürger ist ihm zu verdanken. Ebenso verdanken Feuerwehr und Schutzmannschaft ihre Entstehung bezw, tatkräftige Ent­wickelung der Initiative jenes Mannes. Sein oft rücksichtsloses Vorgehen zog ihm viele Anfeindungen zu und von ihm kann im vollen Maße das Dichterwort gelten:

Von der Parteien Haß und Gunst verwirrt,

schwankt sein Charakterbild in der Geschichte.

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