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1. (ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.
gebiete könnten Sammlungen einzelner Landschaften oder Typen gewisser Volksstäimne Aufstellung lindem Selbstverständlich dürfen Angaben über die Fundumstände und den Fundort bei den einzelnen Sachen nicht fehlen, aber die schematische Einteilung nach Provinzen und Kreisen müßte auf Katalogkästen und Wandkarten mit den bezüglichen Eintragungen beschränkt bleiben.“
„Ob sich eine solche Aufstellung nach Kulturperioden und landschaftlichen Abzweigungen im engen Raume eines Museums für Völkerkunde, das die Schätze der ganzen Welt enthält, übersichtlich durchführen läßt, dürfte zweifelhaft sein. Hier kann nur die Ablösung der vorgeschichtlichen Sammlungen von den anderen Kulturschätzeu von Vorteil sein, hier kann nur die Einrichtung eines besonderen prähistorischen Museums helfen, und zwar eines Freiluftmuseums, wie es Pastor im Auge hat. Denn gerade aus vorgeschichtlicher Zeit finden sich so viele und so umfangreiche Kulturdenkmale, die nur in der Umgebung von Luft, Boden und Wald wirken und den richtigen Eindruck hervorrufen können, daß ihre Unterbringung in Museumssälen ein .Mißgriff wäre. Wie schön ließen sich in einem Freiluftmuseum Nachbildungen der Wohnstätten der Höhlenbewohner und ihrer Umgebung, der jeweiligen Fauna und Flora, Herd- und Siedlungsstätteu aus der Steinzeit, mega- lithische Denkmäler, Grabstätten aus den verschiedensten Perioden, Burgund Schlackenwälle, Dorfanlagen, befestigte Wohnplätze und ähnliches zur Darstellung bringen, wie schön ließen sich die einzelnen Fundstücke im Verein mit plastischen Darstellungen zweckentsprechend verwenden. Es müßte ein Genuß für die Besucher des vorgeschichtlichen Volksmuseums sein, unter diesen Zeugen einer längst verflossenen Zeit umherzuwandeln, Einblicke in das Leben und Treiben, in die Technik und Kunstfertigkeit früherer Generationen zu gewinnen und Eindrücke zu erhalten, die dauernder und nachhaltiger sein wüden als die Betrachtung von in Schränken aufgestapelten Gefäßen, Gerätschaften und Waffen. Unsere vorgeschichtliche Forschung hat ja bereits solche Fortschritte gemacht, daß ihre Ergebnisse für das Volk in seiner Gesamtheit verwertet werden können, und wo würde das besser und vernunftgemäßer geschehen als in einem geräumigen, wohl eingerichteten prähistorischen Freilicht- und Volksmuseuni.“
„Zu überlegen wäre allerdings, in welcher Ausdehnung die vorgeschichtlichen Sammlungen in einem solchen Institute aufgestellt werden sollten. Ob man die Vorgeschichte des ganzen Kontinents oder nur die der germanischen Länder berücksichtigen soll. Zu wünschen wäre das erste, denn nur bei solchem Umfange kann man eine richtige Anschauung von der Entwicklung der vorzeitlichen Kultur der Germanen erlangen, nur in diesem Falle die Einwirkungen, die die Völker des Nordens und Südens, des Ostens und Westens auf die Bewohner des Mittelgebiets