Heft 
(1907) 16
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1. (ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.

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Museumsverwaltung mit dem geschilderten ganz verkehrten bisherigen System zu brechen und an Stelle der zwecklosen topographischen Suiten-Sammlungen eine zielbewußte, alle prähistorischen Gebiete des Erdballs umfassende kultur­geschichtlich-typographischen Sammelroute einzuschlagen. Das ist der Wunsch der sämtlichen preußischen Provinzial- sowie der weiter hierbei in Frage kommenden größeren Lokal-Museen sowie aller objektiv urteilenden Fachmänner.

Herr Bucholz, Kustos des Märkischen Provinzial-Mnseums seit 1874, verweist auf seine diesbezüglichen Äußerungen in der letzten Brandenburgia-Sitzung am 8. d. M und tritt als 1. Korreferent den Friedelschen Auslassungen überall bei.

Dasselbe tut als 2. Korreferent Herr Stadtverordneter Hermann Sökeland und als 3. Korreferent Herr Robert Mielke, der eine Stärkung der Lokal-Museen und eine Verständigung über ihre Tätigkeit mit den Provinzialmuseen empiiehlt. Die Korreferenten 2 und 3 nehmen ebenfalls auf ihre Erklärungen am 8. d. M. Bezug.

Im Laufe der Diskussion entwickelt ähnliche Gedanken Herr Bibliothekar Dr. Gustav Albrecht. Im übrigen wirft Herr Albrecht die Frage auf, ob nicht ein eigenes vorgeschichtliches Zentralmuseum einzurichten sei und verweist des weiteren auf einen Aufsatz von ihm in der Täglichen Rundschau vom 17. August 1906, worin er folgender­maßen sich äußert:

Wir haben in Berlin in dem Königlichen Museum und in dem Märkischen Provinzialmuseum eine ungeheure Menge von vorgeschicht­lichen Funden aufgestapeltaufgestapelt im wahren Sinne des Wortes, denn die neben- und übereinander in Schränken und Vitrinen aufgestellten und in Kasten und Kisten, in Kellern und Lagerräumen aufbewahrten Fundgegenstände lassen eine andere Bezeichnung nicht zu. Sich aus diesem Durcheinander zurechtzufinden, ist schon für den Eingeweihten schwer und für den Laien. ganz unmöglich. Hierzu kommt, daß die von W. Pastor gerügte und so treffend charakterisierte Einteilung der Fuud- stücke nach Ländern, Provinzen und Kreisen für die Aufstellung einer Schausammlung für das große Publikum völlig ungeeignet ist, da sie absolut keinen Anhalt gibt, welche Rolle diese oder jene Fundstücke in der kulturellen Entwicklung der jeweiligen Bewohner gespielt haben, da sie keine Übersicht über die Kulturperioden der Vorzeit gewährt und den Beschauer völlig kalt läßt. In diesem Punkte müßte zuerst eine Umwandlung vor sich gehen. Die Fundgegenstände müßten den Kultur­perioden entsprechend aufgestellt werden, farbige Abbildungen oder kurze Erklärungen müßten Aufschluß darüber geben, welche Bedeutung die Gegenstände für die Entwicklung der Bewohner und den Zustand der jeweiligen Kultur gehabt haben, und innerhalb der großen Kultur-