Heft 
(1907) 16
Seite
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1. (ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.

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Die prähist. Abteilung der Königlichen Museen sollte sich das Ziel setzen, unter besonderer Betonung aller germanischen Völ­ker die vorgeschichtlichen Altertümer aller Kulturvölker in ihren mannigfaltigen Typen durch vorzügliche Exemplare nach ihrer formalen und geschichtlichen Entwickelung vorzuführen!

Dieser Standpunkt wird diesseitig und wie zu hoffen, Namens sämtlicher Provinzialmuseen geteilt.

Bis jetzt hat aber leider das Königliche Museum gerade den entgegengesetzten Standpunkt eingenommen, nämlich eine unaufhörliche Konkurrenz mit allen prähistorischen Sammlungen, wo immer die Gelegenheit sich bietet.

Daher im Königlichen Museum die Unsumme kulturgeschichtlicher fast identischerEundmassen unter Betonung desfalschentopographischen Einteilungsprinzips (Suitensammlung) an Stelle des für das Königliche Museum als Zentralstelle allein richtigen vergleichenden typologischen Sammlungsprinzips.

Eine unleidliche Folge der bisherigen unrichtigen Behandlung der Sammlungsvermehrungen sind auf der anderen Seite die ungeheuren, ganze Länderkomplexe umfassenden vorgeschichtlichen Lücken, welche das Königliche Museum aufweist. Ehe das Königliche Museum sich nicht offen zu dem Standpunkt des Herrn Generaldirektors der König­lichen Museen bekennt und das topographische Suitensammeln aufgiebt, erscheint jede Unterhandlung zwecklos.

Berlin, Märkisches Provinzial-Museum den 10. Mai 1907

E. Friedei.

Zum Schluß der Diskussion über die Denkschrift der Kgl. Staats­regierung wurde die Frage der Verwaltung des Museums für Volks­trachten und Hausgewerbe (Sammlungen für Deutsche Volks­kunde) ausführlich erörtert.

Leider sind die Bodeschen Auslassungen hier so kurz, daß sie miß­verstanden werden konnten. Die Herren James Simon und u. M Stadtverordneter Hermann Sökeland haben in ihrer Eigenschaft als Vorstandsmitglieder des Vereins für das jetzt vom Preuß. Staat über­nommene vorgedachte Museum den Herrn General-Direktor aufgesucht und von ihm, was ich ausdrücklich ermächtigt bin heut hier mit­zuteilen, die beruhigendsten Versicherungen erhalten. Das Museum soll nicht aufgelöst und seine Bestandteile nicht an die zuständigen Provinzial­museen abgegeben werden. Wogegen Dr. Bode sich verwahrt, ist nur, daß nicht eine ins Ungemessene gehende Anhäufung zu einer Art Zentral- Museum in oder bei Berlin entstehen soll. Die Denkschrift sagt in dieser Beziehung an ihrem Schluß:Ein großes Zentral-Museum der Art in Berlin würde dagegen notwendig zu einem unübersehbaren Konglomerat der zahlreichen charakteristischen Bauten der verschiedenen Provinzen