Heft 
(1907) 16
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1. (ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.

und Landschaften, welche diesen entzogen werden mußten, anwachsen, und in demselben würde sicli eine Überfülle der verschiedensten Trachten, Geräte, Werkzeuge usw. zur Darlegung der Entwicklung des Handwerks, des Kostüms, des Hausrats, der Verkehrsmittel usw. auf­stapeln, für die schließlich weder der Raum noch die Mittel geschallen wären, und deren ausreichende Bewachung unmöglich sein würde. Auch würde eine solche Kolonie von musenmsartigen Bauten innerhalb eines großen Parkes, in dem sie allein zu denken wären, denDörfern und Städten, wie sie die letzten Weltausstellungen gezeigt haben, bedenklich ähnlich werden und auf die Dauer weder die Schaulust noch gar das wissen­schaftliche Interesse des Publikums fesseln können, was bei der Beschrän­kung auf die einzelnen Provinzen sehr wohl möglich ist. Eine Kräftigung und Vermehrung der Provinzial-, städtischen und ähnlichen Museen nach dieser Richtung würde diese zugleich auf ihre Hauptaufgabe und eigent­liche Bedeutung verstärkt hin weisen: auch das intensive Sammeln der Werke der ganzen Kunst und Kultur der betreffenden Landschaft, wobei ihnen die Berliner Zentral-Museen nicht durch Konkurrenz hinderlich sein, sondern fördernd zur Seite stehen sollten.

Das Volkstrachten- usw. Museum wird ebenfalls in Dahlem wie das ethnologische Museum untergebracht werden.

Der I. Vorsitzende erinnert daran, daß die Brandenburgia-Mitglieder, soweit sie fach- und sachverständig sind, sich ebenfalls gegen ein etwa im Grunewald einzurichtendes Freiluftmuseum nach Art des vOn Skansen

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bei Stockholm einmütig bereits früher ausgesprochen haben.

Die heutige Versammlung der Brandenburgia, welche dem Vortrag des I. Vorsitzenden sowie den Korreferaten und Diskussionen über die Museumsfrage mit gespannter Aufmerksamkeit gefolgt war, tritt auch bei dem zuletzt erörterten Punkte dem Herrn General - Direktor Dr. Wilhelm Bode mit bestem Dank für seine hoffentlich bahnbrechende Initiative bei.

XX. Bericht des Schatzmeisters im April 1907. Am Schluß des fünfzehnten Lebensjahres unsererGesellschaft für Heimatkunde der Provinz Brandenburg gestatten Sie mir, einen Blick zurückzuwerfen auf diese Zeit der Entwickelung. Als Schatzmeister gedenke ich zuerst in Dankbarkeit der Verdienste meines Amtsvorgängers, die zwar nur indirekt der Wissenschaft zugute kamen, aber in der Brandenburgia in ehrenvollem Gedächtnis bleiben werden. Herr Bankier Wilhelm Ritter hat das Schatzmeisteramt trotz seiner Familien- und Berufspflichten wie mehrerer anderer Ehrenämter mit musterhafter Treue und seltener Lust an der Sache der Gesellschaft verwaltet. Als jene 11 Herren,die ersten eigentlichen Stifter, wie sie im Mitgliederverzeichnis heißen,zusammen­traten, gehörte Herr Ritter zu ihnen, und es war keine Frage, daß ihm