10. (7. ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.
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Dass dieser fast unendliche reichtum von dokumenten eine breite und feste grundlage für die vergleichende Volkskunde bilden wird, ist eine augenscheinliche und erfreuliche tatsache. Andererseits aber wirkt derselbe auf den gewissenhaften forscher beinahe erdrückend. Kaum vermag er die angehäuften materialien seines eigenen Volkes zu bewältigen. Wie soll er da hoffen den rastlosen fortschritten der Sammeltätigkeit in den verschiedensten ländern und sprachen gebührend folgen zu können?
Es soll ein eintrittsgeld ein für allemal gezahlt werden. Einige bestimrnungen gegen missbrauch des für wissenschaftliche forschungen anvertrauten materiales sollten auch festgestellt werden, vor allem, um gesamtpublikationen aus fremden Sammlungen ohne besondere bewilligung vorzubeugen.
Vorläufig wäre es nicht nötig von einem lokal vereine und seiner Verwaltung, um die Gründung derselben bei weniger günstigen Verhältnissen nicht zu erschweren, mehr als diese Vermittlung des austausches von materialien zu fordern. Ihr eigenes interesse für die sache würde sie allmählich schon dazu führen die Sammlungen eines landes so weit wie möglich an einem auf bewahrungsorte zusammenzubringen und dieselben inhaltlich zu ordnen, damit nicht ein jeder besteller immer von neuem die durchsuchung des gesamten zerstreuten und chaotischen materiales zu bestreiten brauchte. Die kataloge könnten zu allererst die verschiedenen arten der an einem orte aufbewahrten Volksüberlieferungen angeben mit verweisen auf nummern oder seiten. Nach und nach müssten aber noch Verzeichnisse der verschiedenen themata ausgearbeitet werden. Das bedürfnis gegenseitigen beistandes würde der beste ansporn zum wetteifern in systematischem ordnen sein.
Ein bund der lokalvereine könnte ferner auf die wissenschaftlichen ausgaben der volkskundlichen materialien einfluss haben sowohl in der beförderung einheitlicher pläne als in der Überwindung sprachlicher Schwierigkeiten. Dass auf die früchte der Sammeltätigkeit die landsleute, die sich an der arbeit beteiligt haben, das nächste anrecbt haben, ist natürlich und unbestreitbar, denn ohne Publikationen in der heimischen spräche wird das interesse für die Volkskunde nicht aufrechterhalten. Auch giebt es Überlieferungen, besonders die metrischen, welche jedenfalls in der Originalsprache veröffentlicht werden müssen.
Die Brandenburgs steht dem neuen Folklorebunde wegen der verwandten Bestrebungen sympathisch gegenüber und hofft, daß dieselben de r Devise aus dem „FF“ vollauf entsprechen werden.
VIII. Der dritte Internationale Kongreß für die ® es ® hichte der Religionen findet in Oxford, England, vom 15.-18. September d. J. statt. Die Sektionen zerfallen in acht Nummern.
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