Heft 
(1907) 16
Seite
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19. (7. ordentliche) Versammlung des XVI. Vereinsjahres.

Ist der Erdboden (Fels) sichtbar?

Sind Bodentiere (Mäuse, Maulwürfe, Ameisen) oder andere wühlende Tiere bemerkbar?

In welcher Zahl?

Können die Rutschungen auf das Treten von Herdentieren zurück­geführt werden?

Kann Bergbau oder sonstige menschliche Tätigkeit (Aufschüttung) die Ursache der Bewegungen sein?

Angaben über die Gr und Wasserverhältnisse, benachbarte Quellen und Riesel.

5. Sind Ihnen andere (auch ältere und prähistorische) derartige Bewegungen in der Gegend bekannt? An welcher Stelle haben sie stattgefunden? Wer könnte über sie Auskunft geben? Literatur?

6. Wer könnte mit näherer Untersuchung betraut werden?

Erwünscht ist

a) Übersendung einer Photographie.

b) Mitteilung über die Topographie (Kartenskizze, Neigung der betr. Abhänge und Stellen, Größe) und

c) Geologie (Ergänzung nach den Gesichtspunkten von 4).

d) Allgemeine Beschreibung und Folgeerscheinungen des Vorganges, angerichteter Schaden, Schutzbauten usw.

Wir empfehlen unseren Mitgliedern, diese heimatkundlichen For­schungen bestmöglich zu unterstützen. Beiträge nimmt der I. Vorsitzende gern entgegen.

Es freut mich, gleich einen kleinen interessanten Beitrag einer für unsere Provinz ungewöhnlichen Erdbewegung, den Bericht über einen Erdsturz innerhalb des Städtchens Oderberg i. M. anschließen zu können.

U. eifriges Mitglied Herr Architekt K arl Wilke teilt folgendes mit:

Ein glücklicherweise nur selten vorkommender Bergrutsch, viel­leicht richtiger Bergsturz, erfolgte am Sonntag den 29. Dezember 190? abends kurz nach zehn Uhr unterhalb des Friedhofs auf dem Grund­stück des Herrn Rentier Prott. Von der dort etwa 2023 m 'hohen Aehmwand löste sich plötzlich aus der Mitte eine gewaltige Schicht (wohl 100 cbm) und stürzte mit weithin vernehmbarem Getöse auf die auf dem Hofe stehenden Ställe und Schuppen herab. Ein 10 m breites zweistöckiges Stallgebäude wurde volltändig zertrümmert, wobei zwei Schw'eine und eine Ziege von den Trümmern begraben wurden. Darauf alarmierte man schleunigst die Freiwillige Feuerwehr, und mit dieser eilten auch viele Einwohner nach der Unglücksstätte. Der Wehr gelang es nach angestrengtester Tätigkeit alsbald, die beiden Schweine noch lebend zu befreien, während der Besitzer des Viehes auch heute vor­mittag noch die Freude hatte, die Ziege, welche ebenfalls noch lebte,