Heft 
(1902) 10
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Kleine Mitteilungen.

holder (Juniperus virginiana), welcher nach nnseren Messungen einen Meter über der Erde reichlich zwei Meter Umfang hat. Nach Schlitzung unseres berühmten Dendrologen und Mitgliedes Dr. Carl Bolle könnte der Baum 150 Jahr alt sein. Die virginischeCeder gehört zu den frühesten Ein­führungen aus dem Arboretum Nord-Amerikas und ist in der Mark schon seit langen Zeiten akklimatisiert. Der herrliche Baum beschattet mit seinen dunklen feinen Nadelschuppen einen grossen Umfang und sind um den Stamm Sitzplätze angebracht, b) Eine zweite Merkwürdigkeit auf der Terrasse, wenn man vom Schloss kommt, rechter Hand geht, besteht in einem grossen granitenen Mahl trog, welcher der vorwendischen Stein­oder Bronzezeit angehört und in die von mir Brandenburg^ Jahrg. VI. S. 383 abgebildete Klasse der sogen. Hünen hacken gehört. Hufeisenförmig durch das Reiben mit einer Steinkugel ausgehöhlt, wodurch ein Rand ent­steht, der aber bei längerem Gebrauch da, wo die quetschende Sklavin hantierte, fortfällt, sodass die überwiegende Menge der Hünenhacken so aus­sieht, als wäre eine Seite derselben abgeschlagen, was niemals beabsichtigt worden ist. Dieser sehr geräumige granitene Mahltrog, welcher von fleissigen germanischen Müllerinnen, Bäckerinnen und Köchinnen Jahrhunderte hin­durch gebraucht worden sein mag, ist auf eine Unterpackung von Steinen gestellt, so dass er wie eine Schale mit Untersatz aussieht, mit Erde gefüllt und mit schönen Pflanzen besetzt. Im Volksglauben gilt dieser Stein als ein Opferaltar der alten Wenden, wozu wohl die Stellung des Mahl­trogs auf dem Unterbau mit Veranlassung geboten hat.

Noch häufiger als im steinreichen Ober-Barnim, wohin IIohen-Finow gehört, finden sich die Hünenhacken in der gegenüberliegenden Uckermark. Hier werden diese Steine oftmals zu wirtschaftlichen Zwecken verwendet. Bei Herrn Amtmann Deegen auf Peelitz bei Chorin fand ich vor drei Jahren eine Hünenhacke unter dem Hofbrunnen als Traufstein. In Lunow fand ich am 2. September 1900 einen dergleichen flachen Trog, bei dem die Vorderseite noch nicht fortgeschlagen war, als Sitz vor der Thür des Bauern Wilhelm Polack, Hauptstrasse No. 11. Eine sonderbare Verwendung nahm ich vor Jahren in dem Oderdorf Hohen-Saathen wahr. Ein wohlhabender Bauer hatte vor der Hinterwand seiner Scheune einen germanischen Mahl­trog derartig angebracht, dass, wenn er seinen Ackerwagen mit der Deichsel nach der Hinterwand zu hineinschob, die Spitze der Deichsel von dem Mahl­trog aufgefangen wurde. Ohne diesen seltsamen Ausbau hätte die aus­gedreckte Deichsel nicht mehr ganz in der Scheune Raum gefunden. Diese Scheune ist inzwischen abgerissen.

In Greifswald (Neu-Vorpommern) kenne ich seit 25 Jahren einen solchen Trog, der vor einem Gasthof an der Ecke der Rakower- und Eisenbahn-Strasse liegt und als Fangstein für die Dachtraufe an der scharfen Ecke dient.

Der Fürst von Putbus hat, wie ich bemerkte, in seinem Park bei Schloss Putbus aus Rügen einen ganzen Hügel von Hünenhacken auf­türmen lassen. Bei dem WirtshausWaldhalle in der Stübnitz, Halbinsel Jasmund, Insel Rügen, unweit Sassnitz hat der Wirt, wie