Heft 
(1902) 10
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Kleine Mitteilungen.

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ich unlängst sah, um eine grosse Rotbuche herum eine Menge von Ilünen- hacken aus der Nachbarschaft gruppiert. Unter den dortigen und unter den Putbuser Exemplaren befinden sich ein paar Stücke, die doppelt, also unten und oben zu Mahl trögen ausgearbeitet sind. Dies sind sehr seltene Vorkommnisse, denen ich aus der Provinz Brandenburg nichts an die Seite stellen kann.

Das Alter der Hünenhacken anlangend, so habe ich schon ange- ^deutet, dass sie bereits in der Steinzeit allgemein sind. Sie gehen aber auch Jjjdurch die Kupfer- [und Bronzezeit. Bei Ausgrabung eines bronzezeitlichen IjFlachgrabes in der Stübnitz erhob ich selbst einen kleinen Mahltrog. Als :der Abhang des grossen Hünengrabs Dubberwort nahe Sagard, Insel -Rügen . angegraben wurde, fand sich sofort eine Hünenhacke. Bei den -^Steinkisten, in welchen sich in II int er pommern und Westpreussen die gekannten Gesichtsurnen befinden, sind nicht selten Hünenhacken als Deck- oder Seitenplatten verwendet. Ernst Friedei.

Stimmen über Berlin im Jahre 1864. In Harpers Handbook for ravellers in Europe and the East by W. Pembroke Tetridge. New-York 1864 heisst es in Uebersetzung.Mr. Laing (ein bekannter eng­lischer Reisender) sagt:Berlin hat die Miene der Metropole eines König­reichs von gestern: keine gotischen Kirchen, keine engen Strassen, keine phantastischen Giebel, keinen geschichtlichen Stein und Mörtel, keine Über- lebsel des pituresken Alters, keine Erinnerung der alten Zeiten. Voltaire in seidenen Hosen und gepuderter Perrücke, Friedrich der Grosse in hohen Stiefeln und Zopf, und das französische klassische Zeitalter Ludwig XIV., sind die Männer und die Zeiten, an welche Berlin den Reisenden erinnert. Berlin ist eine Stadt von Palästen, das ist von ungefügen, kasernenartigen Gebäuden mit Pfeilern, Bildsäulen u. s. w. u. s. w.

Die Gegenstände (fährt nun Tetridge fort), welche das Auge in den Strassen von Berlin treffen, sind weite Fronten von Häusern, Ornamente, Bildsäulen, Inschriften, eine Verschwendung von Vergoldung, Wachtgebäude Schilderhäuser. Die Menschen sind Schildwachen, welche jeden Augenblick das Gewehr präsentieren, Offiziere mit Federn und Orden unaufhörlich Ipassierend, Miets-Droschken (hacney droskies) herumratternd und Mengen wohlgekleideter Leute. Ein träger, aber ansehnlicher Fluss, die Spree, stagniert durch die Stadt, und das Geld, welches für Stuck und äusserlichen Schmuck der Häuser ausgelegt wird, würde mit Verdecken der offnen Rinnsteine, Anlegung einer Wasserleitung und Reinigung der Strassen und Entwässerungen viel besser verwendet. Dies indessen wird jetzt verbessert. Wenn Laing auch die mittelalterlichen Reste Berlins ganz totge­schwiegen und Tetridge manches übertrieben hat, so ist es doch nicht zu leugnen, dass Berlin auf die Fremden den Eindruck äussern Scheinwesens machen musste, wenn sie damit den Zustand der Strassen und Brücken, des Pflasters und der offenen Rinnsteine verglichen. Die letzten 30 Jahre haben ja, Gott Lob! Wandel geschaffen. E. Fr.