Heft 
(1902) 10
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i. (i. ausserordentl.) Versammlung des X. Vereinsjahres.

Mittwoch, den 3. April 1901, nachmittags 3 Uhr, in der Berliner Garnisonkirche, Neue Friedrich Strasse.

(Referent: Dr. Gustav Albrecht.)

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Eine stattliche Anzalil von Teilnehmern hatte sich der Einladung des Vorstandes folgend in der Vorhalle der Garnisonkirche ver­sammelt, um unter Führung des Königlichen Militär-Oberpfarrers und Evangelischen Garnisoupfarrers von Berlin, Herrn Georg Goens, die Räume und Kunstschätze des renovierten Gotteshauses und die darunter befindlichen Marschalls-Grüfte zu besichtigen. Gewaltige Orgelklänge durchbrausten das hohe, gewölbte Kirchenschiff, als die Besucher das Innere des Gotteshauses betraten, und andachtsvoll lauschte alles dem meisterhaft gespielten Präludium, das die Einleitung zu dem Vortrage des Oberpfarrers Goens über die Geschichte der Garnisonkirche bildete.

Die Anfänge des preussischeu Garnisonkirchenwesens, so führte der Vortragende, der auch eine Monographie über die Geschichte der Garnisonkirche*) veröffentlicht hat, aus, gehen bis in die Zeiten des Grossen Kurfürsten, bis in die Zeiten der Gründung eines stehenden Heeres zurück. Kurfürst Friedrich Wilhelm war ein frommer Christ und hatte ausserdem von seinem Vorbilde Gustav Adolf gelernt, dass Manneszucht und Kriegsbereitschaft eine wesentliche Unterstützung durch die Erziehung der Soldaten zur Frömmigkeit erfahren, und aus diesem Grunde richtete er in Berlin eine evangelische Militärgemeinde ein, die unter der Leitung einesChurfürstlich brandenburgisclien Garnisonpredigers stand. Die Gottesdienste und Amtshandlungen der Gemeinde so zum Regiment gehörig fanden an der Ecke der Heiligen-Geist-Gasse und Spandauerstrasse statt, auf dem Kirch­hofe des Spitals zum Heiligen Geist, dessen Kirchlein jetzt noch erhalten ist, und unter jenen drei Linden, welche die Sage von drei unschuldig

*) Geschichte der Königlichen Berlinischen Gamisonkirche von Georg Goens evangelischem Gamisonpfarrer von Berlin. Mit zahlreichen Abbildungen. Berlin 1897 (Mittler & Sohn) 116 Seiten.

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