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1. (1. ausserordentl.) Versammlung des X. Vereinsjahres.
verurteilten Brüdern mit den Wurzeln nach oben eingepflauzt sein lässt. Diese Gottesdienste im Freien, welche vom Jahre 1655 an erwähnt werden, wurden so lange beibehalten, bis der Nachfolger des Grossen Kurfürsten, nachdem er Preussen zum Königreich erhoben hatte, für seine Soldaten eine eigene Garnisonkirche erbauen liess. Dieses Gotteshaus, dessen Grundstein am 24. September 1701 in Gegenwart des Kronprinzen Friedrich Wilhelm, vieler Offiziere und der gesamten Garnison gelegt wurde, fand seinen Platz auf der Stelle der jetzigen Kirche in der Uffelschen Bastion, einem durch die Veränderung der Festungswerke entbehrlich gewordenen Bollwerk, und war in den einfachen Formen der Renaissance als Kreuzkirche mit einem Dachreiter über der Vierung erbaut. Am 1. Januar 1708 wurde die neue Kirche mit grossem militärischen Gepränge eingeweiht. Uber das Fest der Einweihung sind keine Nachrichten erhalten, nur der Wortlaut der Inschrift über der Hauptthür liegt vor:
In nomine 0. M. Domini Exercituuin
Friedericus I. rex Boruss.
Patriae et exercituuin pater Hoc templum militibus Harum urbium praesid. religiös. Frequent, extruxit
et inaugurare jussit Kal. Januar. Secul. XVII.
Anno regni III.
Neben dem Gotteshause hatte König Friedrich I. gleichzeitig eine Schule für Soldatenkinder errichten lassen, und da hierzu ein für die Festungsbaupferde bestimmtes Gebäude benutzt worden war, so wies eine lateinische Inschrift am Schulhause darauf hin. Ausserdem wurden in den nächsten Jahren in dem vorspringenden Bastionswinkel hinter der Kirche ein Garnisonhospital und ein Lazaret, ein Waisenhaus und später noch ein zweites Lazaret erbaut und die ganze Anlage durch die Fürsorge des Königs und des Gouverneurs Grafen von Wartensleben beständig erhalten und erweitert. Das Innere der Kirche wurde würdig ausgeschmückt und eine Orgel — freilich nur mit acht Tönen — erbaut. Der „Kapitains-Chor“ bekam eine Polsterung aus Juchtenleder, die Generale und Obristen erhielten acht mit Taflet überzogene Stühle, und für den Gouverneur wurde in einer abgeschlossenen Loge ein bequemer Lehnsessel aufgestellt.
Wie König Friedrich I. sorgte auch sein Nachfolger, der fromme König Friedrich Wilhelm I., in gnädiger Weise für die Garnisonkirche, für die Schule und für die anderen zum Gotteshause gehörigen Institute, und verschiedene Offiziere der Berliner Garnison folgten dem