1. (1. ausserordentl.) Versammlung des X. Vereinsjahres. 48
Beispiele ihres Herrschers und machten der Garnisonkirche erhebliche Zuwendungen.
Im August des Jahres 1720 traf die Garnisonkirche ein harter Schlag. Gegenüber derselben erhob sich nämlich als Rest des alten Spandaucr Thors ein 100 Fuss hoher Turm, der als Pulvermagazin benutzt wurde, und dieser sollte in dem genannten Jahre zur Verbreiterung der Strasse nebst der alten Stadtmauer abgebrochen werden. Beim Ausräumen des Pulvers flog der Turm am 12. August 1720 „mit einem erschrecklichen Blitz und gedoppelten Knall“ in die Luft, und die niederfallenden Trümmer zerstörten sowohl die anliegenden Häuser als auch einen Teil der Kirche, das Garnisonsclmlhaus und die Wohnung des Obristen von Glasenapp. Yierunddreissig Schulkinder und sieben- unddreissig Erwachsene wurden von den umherfliegenden Steinen ge- tödtet und eine grosse Anzahl von Leuten verwundet. König Friedrich Wilhelm I., der persönlich zur Unglücksstätte eilte, war von der Katastrophe aufs tiefste ei’sclmttert und tliat, was er zur Linderung des Elends tlmn konnte. Im folgenden Monat wurde bereits mit dem Abbruch und im Frühjahr 1721 mit dem Neubau der Kirche begonnen, und am 81. Mai 1722 erfolgte in Gegenwart des Königs und der gesamten Garnison die Einweihung des erheblich vergrösserten Gotteshauses. Letzteres, dessen Grundmauern noch den heutigen Bau mn- schliessen, war in den einfachsten Formen auf rechteckiger Grundlage erbaut; es war 185 Fuss lang, 100 Fuss breit und 54 Fuss hoch und enthielt gegen 4000 Sitzplätze, von denen die Hälfte auf den Emporen lag. 56 Fenster gaben dem Kirchenschiff Licht und 8 Thüren führten in das Innere. Draussen am Giebel prangte unter der Krone der Namenszug des königlichen Bauherrn und über jedem Portale ein Medaillon mit dem schwarzen königlichen Adler, der der Sonne zustrebt, und der Umschrift: „Non soli cedit“ (Er weicht der Sonne nicht).
Ebenso einfach wie das Äussere war auch das Innere der Kirche. Die Wände waren weiss getüncht und Holzschnitzereien ausser an der Kanzel nicht vorhanden. Starke Eiclienpfeiler stützten die Balkendecke, über der sich ein mächtiges Dach, den Kirchenboden umschliessend, aufbaute. An Stelle des Altars stand, dem reformierten Brauch entsprechend, unter der Kanzel ein ungedeckter Tisch und diesem gegenüber fand der Taufstein, der noch heute erhalten ist und ein Werk Schlüters sein soll, seinen Platz. An Stelle der alten Orgel, die nach Potsdam in die Nikolaikirche kam, stiftete der König ein neues kunstreiches Orgelwerk mit über 8000 Pfeifen und verschiedenen mechanischen Spielereien, wie Engeln, die Posaunen blasen, Patten, die Kesselpauken schlagen, sich drehenden Sonnen, fliegenden Adlern u. a.
Friedrich Wilhelm I. war ein sehr gottesfürchtiger Herr und besuchte sehr häufig die Garnisonkirche. Der einfache Holzstuhl, den
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