Heft 
(1902) 10
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1. (1. ausserordentl.) Versammlung des X. Vereinsjalires.

er während der Predigt benutzte, ist noch vorhanden und auf Befehl des Kaisers in der königlichen Loge aufgestellt. Friedrich Wilhelms Nachfolger, Friedrich der Grosse, hat die Garnisonkirche nur wenig besucht, da er der Kriegszeiten wegen meist von Berlin abwesend war, hat ihr aber trotzdem seine Fürsorge zugewandt. Die Dankgottesdienste für die gloneichen Siege der schlesischen Kriege wurden in der Garnison- kircbe abgehalten, und verschiedene erbeutete Fahnen, so 79 Fahnen und 8 Standarten aus der Beute von Ilohenfriedberg und Soor und 13 Fahnen und 4 Standarten aus der Schlacht von Kesselsdorf, zum ewigen Gedächtnis an den Pfeile rn der Kirche aufgehängt. Ferner schenkte der König dem Gotteshause einen schönen Abendmahlskelch, ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst, der noch heutigen Tages bei der Kommunion benutzt wird.

Die an die Ruhmesthaten des fridericianischen Heeres erinnernden Feldzeichen blieben in der Kirche Dis zum Jahre 180h, wo sie aus Furcht vor den einrückenden Franzosen abgenommen und im Holzstall der Garnisonkirche verborgen wurden. Seitdem sind sie verschollen der Küster Jacob starb während der Franzosenzeit und trotz aller Bemühungen nicht wieder aufzufinden gewesen. Dagegen sind vier grosse Gemälde des Geschichtsmalers und Akademiedirektors Rode, die damals aucli aus der Kirche entfernt wurden, später wieder auf dem Boden des Pfarrhauses aufgefunden und jetzt zu beiden Seiten der Orgel aufgehängt worden. Sie erinnern ebenfalls an die fridericianische Zeit und stellen dar: Schwerin und Keith, denen die Siegesgöttin einen Kranz aufsetzt, Winterfeld, dessen Thaten eine Muse niederschreibt, Zieten, an dessen Graburne ein Löwe ruht, und Kleist, an dessen Urne die Göttin der Freundschaft trauert. Was man befürchtet hatte, geschah, die Franzosen hausten wie die Wilden im Gotteshause, zertrümmerten Altar und Kanzel, brachen die Särge im Grabgewölbe auf und beraubten die Toten. Das Kirchenschiff wurde durch eine Sackleinewand in zwei Teile geteilt, von denen der eine an einen Spiritusfabrikanten vermietet wurde, während man den anderen als Ileumagazin benutzte. Erst der Friede von Tilsit und der Einzug der preussischen Truppen am 10. Dezember 1807 machte dem traurigen Zustand in der Kirche ein Ende.

König Friedrich Wilhelm HI. sorgte alsbald für eine würdige Wiederherstellung der Kirche. Er setzte zunächst einen tüchtigen Garnisonpfarrer, den bisherigen Brigadeprediger Friedrich Wilhelm Schliepstein, ein und regelte die zerrütteten Besitzverhältnisse der Kirche. Dann liess er das Gotteshaus vollständig renovieren und in angemessener Weise ausschmücken. Die alten Eichenpfeiler wurden dm ch Backsteinpfeiler ersetzt, Altar und Kanzel neu aufgestellt und die geraubten Altargerätschaften durch neue ersetzt. An Stelle der ver-