1. (1. ausserordentl.) Versammlung des X. Vereinsjahres.
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lorenen Feldzeichen aus der Zeit Friedrichs des Grossen wurde das Innere der Kirche mit Gedächtnistafeln geschmückt, welche die Namen der Vaterlandsfreunde von 1806 und 1807, der Gefallenen von 1813—15 und der Ritter des neugestifteten Eisernen Kreuzes enthielten. Am 29. Oktober 1817 erfolgte die Einweihung der restaurierten Garnisonkirche, für die der König auch weiterhin in gnädiger Weise sorgte.
Gar manche erhebende militärische Feier hat sich in den Mauern der schlichten Garnisonkirche seit den Tagen der Freiheitskriege vollzogen, und einer der bedeutendsten Momente war es, als am 11. November 1866 und einige Jahre später am zweiten Pfingsttage des Jahres 1872 die sieggekrönten Feldzeichen der Garde die kirchliche Weihe erhielten. In der einfachen Ausstattung aus der Zeit Friedrich Wilhelms III. blieb die Garnisonkirche die ganzen Jahre hindurch, bis im Jahre 1900 Kaiser Wilhelm II. eine durchgreifende Erneuerung des Gotteshauses vornehmen liess. Im Dezember des genannten Jahres war der Umbau vollendet, und am 23. Dezember erfolgte die Einweihung unter entsprechenden Feierlichkeiten und in Gegenwart des Kaiserpaares, der Staats- und Militärbehörden und Abordnungen der gesamten Berliner Garnison.
Nach dem interessanten Vortrage des Geistlichen begann die Besichtigung der Kirche. Zunächst wurde der Altarraum in Augenschein genommen, wo der neue, eichene Altaraufbau mit einem Gemälde, Christus am Ölberg, die alte, wiederhergestellte Eichenkanzel mit einem antiken, waffengeschmückten Torso als Unterbau und mit Schnitzereien an Brüstung und Schalldeckel und der in Form eines Säulenkapitäls hergestellte Taufstein aus Sandstein — vermutlich ein Werk Schlüters und ein Überbleibsel aus der ersten Garnisoukirche — gebührende Beachtung fanden. Ferner wurden die Altargerätschaften, unter diesen der kostbare Kelch Friedrichs des Grossen, zwei Kelche und ein Ciborium, die Kaiser Wilhelm I. gestiftet hat, und zwei einfache Leuchter, die Friedrich Wilhelm III. der Kirche verehrte, besichtigt. Dann schritt man zur Kaiserloge, deren Wände mit Eichenschnitzereien und gepressten Ledertapeten geziert sind. Die Decke der Loge trägt den zur Sonne fliegenden Adler mit der bekannten Umschrift, die Rückwand zeigt den heiligen Michael mit dem flammenden Schwert. An der Brüstung des der Kaiserloge benachbarten Kirchenstuhls sind zwei kunstvolle Schnitzwerke, das Innere der Garnisonkirche vor und nach der Franzosenzeit darstellend, angebracht.
Nun folgte ein Rundgang durch das Kirchenschiff, wobei man Gelegenheit hatte die schöne Ausstattung des Innern zu bewundern. Sechs Sandsteinpfeiler tragen die aus Beton hergestellten Gewölbekappen, die mit Emblemen der preussischen Herrscher und der Armee und Marine geziert sind zwischen diesen Pfeilern ziehen sich in den Seiten-