Heft 
(1902) 10
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3. (2. ausserordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.

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3. (2. ausserordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.

Sonnabend, den 27. April 1901 in der Sternwarte zu Treptow.

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* Angelockt durch das herrlichste Wetter haben sich Mitglieder und |Gräste in grosser Zahl eingefunden und wurden von Herrn Direktor Archenhold in liebenswürdigster Weise empfangen.

' Die Gesellschaft bestieg zunächst den Rnndgang der Sternwarte, um die Erklärung des Riesenfernrohrs durch Herrn Direktor Archenhold selber zu hören. Das Neue und Geniale an dem Fernrohr ist das Fehlen der Kuppel, die zum Schutz für das Fernrohr auf den alten Sternwarten über dem Fernrohr angebracht ist und sich mit dem Rohr drehen muss. Dieser Schutz ist ersetzt durch einen Mantel aus dünnem Eisenblech, der das Fernrohr einschliesst, und dessen oberes Ende durch einen Deckel verschlossen werden kann. Das Objektiv hat einen Durchmesser von 70 cm, das Fernrohr ist 21 m lang; es ist das längste der Erde, da die grössten amerikanischen, das Lick- und Yerkestelescop, nur 15 bezw. 18 m lang sind; somit trägt es seinen NamenRiesenfern­rohr mit Recht. Eine zweite Neuerung, die sich mit dem Fehlen der Kuppel verbinden lässt, ist die Art der Aufhängung. Während bisher l.'be grossen Fernrohre im Schwerpunkt aufgehängt waren, ist hier die - -Befestigung an das Okularende gelegt worden. Es ist dadurch ein grosser Vorteil erreicht worden. Es fällt hierdurch Sehpunkt, Stehpunkt und Drehpunkt zusammen. Der Beobachter hat nun nicht nötig dem Okular zu folgen, das auf den alten Sternwarten grosse Bogen be­schreibt, so dass dort Treppen und bewegliche Podien nötig sind. Hier verlässt der Beobachter das feststehende Podium nicht.

Der Fortfall der beweglichen Kuppel hat die Herstellungskosten bedeutend herabgesetzt. Es ist dadurch möglich geworden, es für 250 000 Mk. herzustellen, während es sonst auf 4 Millionen Mark ge­kommen wäre. Die Linse hat allein 55 000 Mk. gekostet; sie ist in Jena von Prof. Abbe und Dr. Shott gegossen und in München von Dr. Steinheil geschliffen worden. Die Eisenteile haben ein Gewicht von 2600 Centner und sind von der Maschinenfabrik von C. Hoppe gegossen worden; besonders hat sich Paul Hoppe um die Konstruktionen verdient gemacht, während die Feinteile von Gustav Meissner geliefert worden sind. Die Sternwarte steht auf einem flachen, 12 m langen, 8 m breiten und 90 cm tiefen Cementklotz, der alle Erschütterungen abhält und einschliesslich des Oberteils nur 14 900 Mk. gekostet hat; auch diese