Heft 
(1902) 10
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3. (2. ausserordentliche) Versammlung des X. Vereinsjahres.

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von Ebbe und Flut zu erläutern, und sodann eine Vorrichtung, um die Herstellung von farbigen Photographien zu zeigen. Auf einem Tische waren auch eine Anzahl von Fernrolmnodellen aufgestellt, um die Aufhängungsweise und Gebrauchsart vergleichsweise betrachten zu können. Ein Planetarium zeigt die Stellung der Planeten zur Sonne und ihre Umdrehungszeiten. An einem Tellurium kann die Bewegung der Erde mit ihrem Monde erläutert werden.

Ferner iindet sich ein Sternglobus und ein Relief vom Monde. An den Wänden hängen die Bilder berühmter Astronomen und Physiker, ferner mehrere Tafeln der Planeten, welche die wirkliche und die scheinbare Grösse derselben erläutern und endlich eine Anzahl Mond­karten und eine Tafel des Mars mit den Kanälen, sowie mehrere Photographien der Sonnenoberfläche mit den Sonnenflecken. Eine Vitrine beherbergt noch eine Anzahl beobachtenswerter Instrumente und Objekte: u. a. eine Wolkenkamera zum Photographieren von leuchtenden Wolken, ein Fernrohr aus dem Nachlasse Frauenhofers, ein Spiegel­teleskop, einen Metallspiegel, Bruchstücke verschiedener Glasarten, eine grosse Linse aus Glas, fehlerhafte Linsen, um Luftblasen und Schlieren zu demonstrieren, ein Modell des Copernikanischen Systems, ein Gefäss- barometer mit konstantem Nullpunkt, mehrere Sonnenuhren, ein Chronometer mit Cardanischer Aufhängung u. a. m.

Darauf wurden wir auch in den untersten Teil des Gebäudes geführt, in welchem die (j Elektromotoren stehen, welche die Bewegung des Fernrohres regulieren und wo ein Teil der Gegengewichte unter­gebracht ist für die Haltung des Fernrohres.

Endlich hatte jeder noch Gelegenheit einen Blick durch das Fern­rohr zu werfen und die Oberfläche des Mondes zu beobachten. Das Bild zeigte den Copernikus und den Gebirgszug der Apenninen in wunder­barer Klarheit.

Dieses Bild, das eine 400 fache Vergrösserung der Mondoberfläche bot, zeigte die grosse Leistungsfähigkeit des Fernrohres auf das beste. Eine solche hohe Leistungsfähigkeit ist grade für den Laien wünschens­wert, der in seiner Unkenntnis leicht unberechtigte Anforderungen stellt und dann durch kleinere Fernrohre enttäuscht wird. Für ihn ist eine deutliche Abbildung fast noch nötiger als für den geübten Astronomen.

Nach der Besichtigung der Sternwarte vereinigte sich die Gesell­schaft bei einem Abendbrot im Restaurant Regelin.