Heft 
(1902) 10
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Nachträge zur Dorfchronik von Niedergörsdorf.

Noch einige losere Nachträge zur Dorfchronik von Niedergörsdorf auf Grund der Chronik

von Jüterbog.

Frohnden- und Hofedienste.

Schon S. 420 ist erwähnt worden, wie die freien flämischen Kolonisten mit List und Gewalt unter Hörigkeit gebracht worden sind, aber zur Erinnerung, unter welchem Joch die Vorfahren geseufzt haben, scheint es angebracht, über diese Sache noch näheres zu sagen.

Was früher bittweise und etwa durch eine Speisung lockend geleistet worden war, wurde darauf als Observanz durch kommissarische Vergleiche festgestellt. 1566 haben die Amtsvorstädter Handfrohnen auf den Schlossgründen zu leisten und die Hufenbesitzer auch 2 jährliche Landfuhren zu verrichten und zwar jede auf 4 Tage Ilin- und Rückfahrt, doch keines Tags über 4 Meilen weit. Hierzu kamen 1579 für die Dorfbewohner: Wachdienst, Wasser- und Holztragen,

Holzhauen etc., die Schlossteiche zu fischen, als Treiber mit auf die Hasen­jagd zu gehen, Hopfen und Flachs zu pflücken, Holzfuhren. Die Pferde der Lehnschulzen hatten die Amtsdiener, zu denen sich auch der Amt­mann rechnete, zu befördern. Später tritt noch hinzu: das Aus­

schlämmen der Schlossteiche, Getreidefuhren bis auf 8 Meilen, Zwangs­dienst der Kinder für geringem Lohn; die Altsitzer, welche noch auf Tagelohn gehen konnten, mussten an 2 Erntetagen Dienste leisten. Die nächsten 5 Dörfer, zu denen auch Niedergörsdorf gehörte, mussten Mühl-, Sand-, Rübe-, Bierfuhrenleisten; das waren argePlackereien. Die Leute erzählen sich noch jetzt drollige Sachen. Da hatte so ein findiger Frohnsherr eine Quelle gefunden, um sich Gewinn zu ver­schaffen. Er bestellte die Hüfner zu den schuldigen Fahren meist dann, wenn etwa Glatteis lag, oder die Wege im Frühjahr und Herbst grundlos waren. Diese waren dann gerne bereit, sich mit einer Geld­zahlung von der Verpflichtung los zu machen. Einmal kam ihnen die Sache doch recht verdächtig vor, denn sie erschienen vollzählig, um die Fuhren zu leisten. Siehe da, der Herr Amtmann hatte nur gar kein Korn, welches abzufahren gewesen wäre. AVer mag sich wundern, dass die Leute misstrauisch und sehr vorsichtig geworden sind.