Fischerei der Provinz Brandenburg.
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Walfischrippe. Obwohl die Waltiere bekanntlich Sänger sind, wird ihr Fang dennoch unter den allgemeinen Begriff des Fischfangs gerechnet. Dies mag es rechtfertigen, wenn ich darauf aufmerksam mache, dass sich in der Nikolaikirche zu Jüterbog eine defekte Walfischrippe als Rarität befindet, die wohl ein Schiffer oder Kaufherr dorthin gestiftet haben mag. St. Nikolaus ist Schutzpatron der Handelsfahrer und Kaufleute.
Jüterbog, den 29. Oktober 1899. E. Friedei.
34. Die Rippe und der Wirbelknochen in Berlin Ecke Molkenstrasse
und Molkenmarkt, an der Stelle ungefähr, wo einst der Roland von Berlin gestanden, rühren ebenfalls von einem Waltier her. In der Nähe befindet sich die St. Nikolaikirche; möglich, dass diese Knochen in reformatorischer Zeit, als man die ehemals katholischen Kirchen „säuberte“ von dort fort- gethan und als Merkwürdigkeit in der Nähe an einem Hause wiederangebracht worden sind. E. Friedei.
35. Fischerei-Geschichtliches von E. Friedei (No. 20 bis 24). Es sei hier vergönnt, die nachfolgenden interessanten fisehereigeschichtlichen Nachrichten mitzuteilen, wenn sie auch das heimische Fischwesen nicht unmittelbar angehen.
Über das Symbol des
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sagt in einer Erwiderung auf eine Adresse Pius IX. im Juli 1873: „Vertrauen also auch wir voll jenes Glaubens, der nie abnimmt und der mit Recht in dem Fisch sein Symbol hat: denn gleichwie der Fisch zwischen den sturmbewegten Wellen des Meeres fest und unbewegt bleibt, so lässt sich der wahre und starke Glauben weder durch Verfolgungen noch durch Widerwärtigkeiten niederwerfen.“ Vgl. No. 21.
36. Aus „Wattenboch: Das Schriftwesen des Mittelalters“. Lpz. 1871 . S. 62: „Wie Edelestand Du Möril (Etudes sur quelques points d’Archdologie et d’histoire litteraire, Par. et Lpz. p. 113) mittheilt (1860) hat sich auf dem Fischmarkt von Rouen noch jetzt die Sitte erhalten, dass die übriggebliebenen Fische am Schlüsse versteigert werden, und das Ergebnis auf Wachstafeln eingetragen, deren Abbildung er mitteilt“.
S. 123: Die röm. Päbste bedienten sich der Bleibullen, für Breven aber des Fischerringes, der vor dem 15. Jahrh. wohl kaum nachweisbar ist. Vgl. No. 20.
S. 138: Man benutzte auch den Saft des Dintenfisches, sepia. Damit schreibt der faule reiche Jüngling bei Persius 3, 13, der spät erwachend sein Schreibgerät fordert und mit der Dinte unzufrieden ist:
Iam über et bicolor positis membrana capillis,
Inque manus chartae nodosa venit arundo.
Tune queritur crassus calarno quod pendeat huinor.
Nigra quod infusa vanescat sepia lympha,
Dilutas queritur geminet quod fistula guttasl