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Fischerei der Provinz Brandenburg.
den letzten warmen Tagen des Januar 1885 aus einer Luhme im Eise des Sees bei seiner Insel Scharfenberg eine Menge der Fischchen lebend gefangen hat, die wir, mit Pannirmehl gebacken, uns trefflich haben schmecken lassen. Einige wenige Exemplare erreichten sogar die von Bekmann erwähnte Riesengrösse von 8 Zoll rheinisch. Da der Stint in grossen Tiefen lebt und klein ist, so kann er nur mit einem teuren engmaschigen Fisehzeug in marktfähiger Menge gefangen werden. In die Eis- luhmen drängt er sich mitunter in solcher Menge, dass wenn man Reisigbündel unter denselben versenkt hat und sie schnell in die Höhe zieht, eine Menge der zierlichen Fischchen gefangen werden. Früher z. H. in den Odergegenden, bediente man sich der Stint - Priepe (ein Exemplar im Märkischen Museum Kat. VI No. 165(1), einer gewaltigen, mannshohen und 2 Fuss im Durchmesser haltenden aus Ilolzspänen geflochtenen Reuse mit der Tausende auf einmal erbeutet werden konnten. E. Friedei.
31. Störfang in der Oder. Kienitz. Am 4. Mai 1882 in den Nach
mittagsstunden wurde von hiesigen Fischern in dem Oderstrome ein Stör gefangen, welcher eine Länge von 2 m 23 cm (ca. 7 Fuss und ein Gewicht von 59'/j kg hatte. Ein seltenes Ereignis hierselbst; vor ca. 20 Jahren wurde liier ein solcher Fisch gefangen, der aber nicht die Grösse des jetzt gefangenen hatte. E. Friedei.
32. Fischzucht im Sorauer Kreise. Sorau N.-L., 27. Juli. In gleicher Weise wie der Obstbau in unserem Kreise in den letzten Jahren mit sichtbarem Nutzen gefördert wird, hat sich auch die Fischzucht hier ganz besonderer Pflege zu erfreuen. Ihr wird z. B. seit langen Jahren in Mildenau eifrige Pflege zuteil, und ist der dadurch erzielte Gewinn recht ermunternd Neuerdings hat ein junger Gutspächter in Mellendorf grossartige Fischteiche angelegt, und ist dieser schon jetzt mit dem Ertrage recht zufrieden. Leider ist der Schaden, den die Überschwemmungen in den letzten Jahren den Fischzüchtern in der Neissegcgend, z. B. bei Forst, zugefügt haben, recht gross, indem das durch die Teiche flutende Hochwasser die Fische mit forttrieb. — Die hiesigen Landwirte behaupten, dass die Zollgesetzgebung ein Emporkommen der früher hier stark betriebenen Schafzucht zum Zweck der Wollgewinnung verhindere, und erwarten mit Sehnsucht eine für sie günstige Änderung des Gesetzes.
Frankfurter Oder-Zeitung 30. 7. 1899.
33. Getrocknete Störe. An einem Fischerhause in Zäckerick am rechten neumärkischen Oderufer prangen als seltene Beute an dem Gebälk über der Einfahrt der Unterfahrt (Laube, Löwing) des Hauses zwei getrocknete Störe. Dergl. getrocknete Störe sind mir aus Hohensaaten (Kreis Angermünde) und anderen märkischen Oderdörfern bekannt. Das Märkische Museum besitzt einen solchen Stör. Diese grossen Fische sind als Seltenheiten und Wahrzeichen aufgehängt, vergleichsweise wie in Kirchen und Rathäusern unserer Provinz Rippen und Wirbel vom Walfisch, mitunter vom Mammuth. Bezüglich Zäckerick vgl. „Bär“ vom 2. Dez. 1899. S. 762.
E. Friedei.