Fragekasten.
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des vielen Geldes, das er zeigte, höchst wahrscheinlich von August Schmidt dem Sohn des Postwagen-Meisters, mutmasslich unter Mithilfe des Häuslers Mertens umgebracht. Eduard Schulte hat das alles neuerlich in einem Aufsatz in der „Gartenlaube“ von 1891 S. 749 flg. „Das Verschwinden des Lord Bathurst in Perleberg im Jahre 1809“ sehr lichtvoll auseinandergesetzt und dabei die Hypothese des Raubmordes als sehr wahrscheinlich und glaubhaft dargestellt. Wir folgen Schultes Angaben.
Zu Beginn des Jahres 1809 wurde B. als ausserordentlicher Gesandter nach Wien geschickt, um Österreich zur Erhebung gegen Napoleon anzuspornen. Auf dem Rückwege wollte er über Berlin nach Hamburg reisen und sich in Hamburg nach England einschiffen.
Über die Reise von Berlin bis Perleberg ist bekannt geworden, dass B. auf den Poststationen grosse Unruhe zeigte, seine geladenen Pistolen besichtigte und sich nach dem Verhalten der französischen Truppen in der Nachbarschaft erkundigte. Am Sonnabend den 25. November kam B. in Begleitung seines Sekretärs und Kuriers Fischer und eines Dieners Nikolaus Hilbert, beide Deutsche und anscheinend zuverlässige Leute, in Perleberg an. Alle drei gingen vom Posthaus nach dem in derselben Strasse belegenen Gasthof „Zum Weissen Schwan“, der dem Gastwirt Leger gehörte und an das Parchimer Thor stiess, durch welches der Weg nach Hamburg ging. Am Abend beglich Fischer die Rechnung, Hilbert war beim Gepäck beschäftigt. Gegen 9 Uhr stand der Hausknecht mit einer Laterne neben dem Postillon bei den Pferden. Beim Schein der Laterne sah man B. vom Gasthof her an dem Wagen, in der Richtung, wohin gefahren werden sollte, vor- tibergehen, unbekannt weshalb. Von diesem Augenblick ist B. lebend nicht wieder gesehen und seine Leiche nicht mit voller Sicherheit nachgewiesen worden, (a. a. 0. S. 750.)
Alle gerichtlichen und polizeilichen Nachforschungen führten zu nichts. Bei dem übelbeleumdeten August Schmidt wurde der kostbare Pelz des B. versteckt gefunden und Schmidt nebst seiner Mutter nur wegen Diebstahls zu 8 Wochen Gefängnis verurteilt. Die Untersuchung war unglaublich fahrlässig geführt worden. Ein paar Hosen des B. wurden ven zwei Perleberger Frauen am 16 Dezember in einem Wäldchen, eine Viertelstunde vom Parchimer Thor gefunden. Auch diese Spur ward nicht genugsam verfolgt.
1852 fand man beim Abbrechen eines Hauses, dreihundert Schritt vom „Weissen Schwan“ an der Hamburger Chaussee belegen, unter der Schwelle des Stalles ein menschliches Skelett. Das Haus gehörte seit 1803 dem Häusler Mertens. Schulte macht nun sehr wahrscheinlich, dass dies Gerippe die Reste des erschlagenen B. darstellte und dass Mertens Mithelfer an dem Morde gewesen ist. Der Schädel zeigte eine tiefe Einbeulung wie von einem Hammer oder stumpfen Beilende bewirkt. Schmidt hat jedenfalls den B. nach dem Hause des Mertens geführt und dort ist die That verübt worden. Wegen des weiteren Indizienbeweises verweisen wir auf die spannende und lichtvolle Darstellung Eduard Schultes selbst, vgl. S. 766—772.
Der französischen Regierung ist eine Mitschuld in keiner Weise nach- gewiesen.