Heft 
(1902) 10
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Strausberg im siebenjährigen Kriege.

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und Lebusisclien Kreis aufgebracht werden; auch Strausberg habe sich bereit zu halten. Zur pünktlichen Gestellung der Fuhren wurde unterm 21. Juli aufgefordert; was wahrscheinlich mit dem Abzug des Prinzen Heinrich nach Schlesien zusammenhängt, um den in Breslau von Laudon belagerten Generalmajor v. Tauentzien Hilfe und Entsatz zu bringen und sicli mit dem Könige zu einem entscheidenden Schlage gegen die Verbündeten zu vereinigen. Nocli ehe diese Vereinigung erfolgte, sah sich Friedrich zur Schlacht bei Liegnitz am 15. August gezwungen, deren siegreicher Ausgang für den König der erste heitere Sonnenblick nach einem Jahr voller Trübsal war. Aber obgleich zwar die Schlacht bei Liegnitz die Vereinigung der Russen und Österreicher in Schlesien vereitelte, erlangte es doch der österreichische Oberfeldherr, dass Soltikow am 20. September 18 000 Russen über die Oder setzte, um in Verbindung mit 14 000 aus Schlesien durch die Lausitz vordringenden Österreichern Berlin einzunehmen. Bereits am 3. Oktober erschien der russische Vortrab (0000 Mann) unter General Graf v.Totleben vor dem Cottbuser und Hallischen Thore Berlins, forderte jedoch den Kommandanten v. Rocliow vergeblich zur Übergabe auf. Als aber Czernitschew mit 12 000 Russen und die Österreicher unter Lascy eintrafen, sah sich v. Rocliow am 9. Oktober zur Kapitulation genötigt.

Von den Kosacken des Tschernitschef machte eine Abteilung der Stadt Strausberg einen Besuch, über welchen ein besonderes Protokoll aufgesetzt ist; dasselbe lautet:

Am 6. Oktober 1760 abends gegen 4 Uhr kamen 5 Cosacken am Wriezener Thor geritten und prätendirten hereingelassen zu werden mit dem Vorwand, wie sie zur Armee wollten. Man fand aber praecis deliberatione 1 ) vor gut, ihnen durch das Thor mit aller Bescheidenheit zu antworten, dass sie bei der Stadt hernmreiten und solchergestalt nach ihrem Corps, so in Rehfelde stünde, sich begeben könnten; wozil sie sich denn verstanden und den angebotenen Branntwein und Bier nicht annehmen wollten: wobei zu merken, dass der Materialist Krause prätendirte, dass die 5 Mann sollten hereingelassen und zu Gefangenen gemacht werden.

Den 7. bald nach 9 Uhr Vormittags ward vom Turm gemeldet, dass ein troupp Cosacken vor dem Landsberger Thor hielten und hereingelassen zu werden ausdrücklich verlangten. Der Herr Major v. Loeben (?) riegelte das Thorweg vom Thore gleich zu, um sich nach der Beschaffenheit der Sache eigentlich zu erkundigen. Da der consul dirigens 2 ) nebst den übrigen Magistratspersonen dazu kam, so fand

*) In Erwägung ihrer Bitte.

*) Der erste Bürgermeister Wolfl.