Strausberg im siebenjährigen Kriege.
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Ob nun zwar von Rat und Bürgerschaft die wahre Unmöglichkeit vorgestellet ward, so blieb er doch anfänglich unbeugsam. Naclier Mahlzeit, die er sich gut schmecken liess, fing er an, etwas gelinder zu werden, mit dem Befehl, sogleich von Haus zu Haus so viel Geld als immer möglich wäre, sowohl als an Brot beizutreiben. Letzteres wurde anbefohlen, wegen des Geldes aber mit der Bürgerschaft die Anlage- Ueberlegung gemacht.
Der' Materialist Krause machte nichts als Unruhe unter der Bürgerschaft, verlangte schlechterdings zuförderst die Abmessung des Bestandes der Stadtkasse mit dem Beifügen, wie die Bürgerschaft nichts eher aufbringen sollte, bevor der Bestand vorgezeigt würde. Der Bürgermeister Heller war dazu content, nur mit der Reservation, dass er seinen bei der Cäinmereyrechnung gethanen Vorschuss davon abziehen müsse, weil ihm bey gegenwärtigem feindlichen Einfall nicht zuzumuten sei, sein eigen Geld vorzuschiessen. Endlich nach vielem Zureden des consul dirigens wurde diese Unruhe gestillet; der Krause aber blieb dabei, man müsse dem Feind nicht mehr als 200 Thaler bewilligen, brachte auch mit seinem Schreien und Toben viele von der Bürgerschaft auf seine Seite.
Einige Stunden darauf kamen die ausgeschickten Bürger und stellten vor, wie sie mit vieler Mühe 200 Thaler Kontribution gesammelt und 183 Stück grosse Brote ä 10 U. 12 Loth zusammengebracht hätten. Mit den letzteren schien der Oberst einigermassen zufrieden zu sein, weil ihm vorgestellet wurde, dass die Zufuhr wegen Unsicherheit der Wege versperret sey und die Mühlen ledig stünden; wegen des wenigen Geldes aber gerieth er in grosse rage und sagte, dass er uns bis gegen 7 Uhr Zeit liesse, das Anbefohlene zusammenzubringen. Wo nicht, so werde er wegreiten, kein Geld mitnehmen, sondern durch ein stärkeres Commaudo die Häuser durchsuchen lassen, alsdann er das Geld schon finden wollte.
Weder Thränen, ängstliches Bitten, auch nicht die unterthänigste Ehrerbietung waren imstande, dieses Russen Herz ernstlich zu bewegen; endlich gegen Abend wurden wir dahin Übereins, 3(X)0 Thaler Kontribution dergestalt zu geben, nämlich denselbigen Tag sofort 2000 Thl. und in die Zeit von 48 Stunden die übrigen 1000 Thl. Wegen der Ochsen werde er uns dispensiren, schien auch mit den zusammen- gebrachten Broten zufrieden zu sein, weil er keine weitere Aufbringung anmuthete.
Dem Dolmetscher wurden 20 Thaler und ein Paar Stiefeln gegeben, weil er der Stadt Bestes zu beobachten versprach.“ —
Der Herr „Oberst“, dessen Name nach anderen Aktenstellen Popoff lautete, scheint darauf abgezogen, aber auch, wie er vorausgesagt, wiedergekommen zu sein, um, wenn nicht alles, was er gefordert, so